Die Mehrwertsteuer

Aktualisiert am von Michael Mühl

Das deutsche Umsatzsteuergesetz ist mit seinen 29 Paragraphen nicht das umfangreichste Gesetz in Deutschland, doch es hat es in sich. Die Regelungen des Mehrwertsteuersystems sind kompliziert und von Ausnahmen geprägt. Die wichtigsten 10 Fragen rund um Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Steuerpflicht beantworten wir hier.

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Die 10 wichtigsten Fragen zum Thema Mehrwertsteuer

  • 01.Wie funktioniert das Mehrwertsteuersystem?

    Die Umsatzsteuer zählt in Deutschland zu den wichtigsten Einnahmequellen des Staates. Für die Ermittlung der Umsatzsteuer auf ihre Waren oder Leistungen sind die Unternehmen selbst verantwortlich. Sie müssen die Steuer beim Finanzamt anmelden und auch pünktlich bezahlen. Die Preiskalkulation der Unternehmen berücksichtigt die Umsatzsteuer bereits:

    Ermittelte Kosten je Stück
    + Gewinnmarge
    = Nettopreis
    + Umsatzsteuer
    = Bruttopreis

    Die Umsatzsteuer ist eine Endverbrauchersteuer, denn letztendlich zahlt der Kunde sie mit dem Preis.

  • 02.Was bedeuten die Begriffe Mehrwertsteuer, Umsatzsteuer und Vorsteuer?

    Laut Umsatzsteuergesetz müssen Unternehmen auf ihre Lieferung oder Leistung Umsatzsteuer erheben. Für die von ihnen eingekauften Waren haben sie jedoch schon vorab Umsatzsteuer an ihre Lieferanten gezahlt. Genau diese Steuer wird als Vorsteuer bezeichnet. Auch für viele andere Kosten im Leistungsprozess (Strom, Kraftstoff, Mieten, Reparaturen…) fallen Vorsteuern an. Das Umsatzsteuergesetz erlaubt es nun den Unternehmen, diese gezahlte Vorsteuer von ihrer Umsatzsteuerschuld abzuziehen. Damit versteuern sie eigentlich nur noch den Wert ihres Produktes, den sie selbst erschaffen haben, den Mehrwert. Daraus leitet sich der Begriff Mehrwertsteuer ab.

    Ein Beispiel

    Ein Fahrradfabrikant ermittelt für ein Herrenrad den Verkaufspreis von 500 Euro netto. Er muss 19 Prozent Umsatzsteuer (95 Euro) aufschlagen, verkauft das Rad für 595 Euro. Seine Lieferanten stellten 238 Euro für das Material in Rechnung, enthalten sind 38 Euro Vorsteuer (Nettobetrag 200 Euro). Der Hersteller muss nun nur seinen geschaffenen Mehrwert versteuern – 300 Euro, die Steuer dafür beträgt 57 Euro. Zum gleichen Ergebnis kommt man, wenn man von den 95 Euro Umsatzsteuer 38 Euro Vorsteuer abzieht.

  • 03.Muss ich als Privatkunde Mehrwertsteuern bezahlen?

    Jeder Einkuf in Deutschland ist mit deutscher Mehrwertsteuer belastet. Ja, diese Steuer muss gezahlt werden. Sie ist in den Verkaufspreisen der Produkte bzw. Dienstleistungen bereits enthalten. Verkäufer (auch Onlinehändler) sind übrigens verpflichtet, die Preise für Endverbraucher inclusive Steuer auszuweisen. Mit der Anmeldung der Steuer an das Finanzamt hat der Käufer jedoch nichts zu tun.

  • 04.Wann bin ich umsatzsteuerpflichtig im Sinne des Umsatzsteuergesetzes?

    Laut Gesetz ist in Deutschland (fast) jede Lieferung oder Leistung steuerpflichtig, die hier von Unternehmen erbracht werden. Daher sind auch die regelmäßigen Verkäufe auf Flohmärkten oder bei Ebay und auch die geringen Erlöse einer Solaranlage, die ins öffentliche Netz eingespeist, umsatzsteuerpflichtig. Auch freiberufliche Künstler, Trainer oder Lehrer müssen Umsatzsteuer abführen. Die Tätigkeit ist beim Finanzamt anzumelden, dieses vergibt dann eine Steuernummer. Unternehmer müssen Umsatzsteuererklärungen abgeben und die Steuerschuld abführen.

  • 05.Was ist die Kleinunternehmerregelung?

    Gewerblich oder freiberuflich Tätige, die eigentlich umsatzsteuerpflichtig sind, können bei ihrem Finanzamt die Kleinunternehmerregelung beantragen. Dann brauchen Sie keine Umsatzsteuer von ihren Kunden einnehmen und diese nicht abführen. Sie dürfen aber dann auch keine Vorsteuer geltend machen. Dafür gilt eine Umsatzgrenze von 17.500 Euro im Jahr. Wer hier mehr erfahren möchte, sollte einen Steuerberater konsultieren.

  • 06.Was muss ich beachten, wenn ich selbständig tätig bin?

    Als Unternehmer schreiben Sie Rechnungen für Ihre Kunden. Hier müssen Sie nicht nur die Steuer ausweisen, der Beleg muss auch den Formvorschriften des Umsatzsteuergesetzes entsprechen. Nur dann kann nämlich der Kunde, wenn es sich um ein Unternehmen handelt, auch die Vorsteuer geltend machen. Diese Pflichtangaben müssen auf Rechnungsbelegen enthalten sein:

    • Name, Firmierung und Anschrift des Rechnungsempfängers
    • Steuernummer des Rechnungsausstellers
    • Nummer (fortlaufend) und Datum der Rechnung
    • Zeitpunkt der ausgeführten Lieferung oder Leistung
    • Art und Menge der Leistung
    • Nettopreis, Steuerbetrag, Steuersatz und Bruttobetrag
    • Angaben zur Minderung des Preises (eingeräumter Skontoabzug, Rabatte, Boni)

  • 07.Wann gilt der ermäßigte Steuersatz von 7 Prozent?

    In Deutschland beträgt der Regelsteuersatz der Umsatzsteuer derzeit 19 Prozent. Für Waren des täglichen Bedarfs sowie andere lebenswichtige Produkte wird ein ermäßigter Steuersatz von aktuell 7 Prozent gewährt. Dieser gilt zum Beispiel für

    • lebende Tiere
    • Lebensmittel: Fleisch und Waren tierischen Urspungs, Fisch und Meerestiere, Milcherzeugnisse, Getreide, Gemüse und Früchte, Öle und Fette
    • Blumen und lebende Pflanzen
    • Wasser
    • Holz als Brennstoff
    • Bücher, Zeitungen und Zeitschriften
    • Kunsterzeugnisse.

  • 08.Welche Umsatzsteuer muss ich zahlen, wenn ich im Ausland einkaufe?

    Nur Waren oder Dienstleistungen, die ein Unternehmer in Deutschland gegen Bezahlung abgibt, unterliegen der deutschen Umsatzsteuer. Aufgrund der besonderen Vereinbarungen in der europäischen Union müssen Sie auf innergemeinschaftliche Lieferungen keine Umsatzsteuer bezahlen. Allerdings müssen diese in Deutschland der Steuer unterworfen werden. Da Sie aber den Steuerbetrag gleichzeitig wieder als Vorsteuer abziehen können, gleicht sich das sofort wieder aus. Bei der Einfuhr von Gütern aus dem übrigen Ausland nach Deutschland wird Einfuhrumsatzsteuer fällig.

  • 09.Wenn ich meine Waren ins Ausland verkaufe, muss ich Umsatzsteuer abführen?

    Sobald Ihr Empfänger ein Unternehmen innerhalb der EU ist, bleibt der innergemeinschaftliche Verkauf steuerfrei. Das gilt aber nicht für Lieferungen an Privatpersonen, dann wird deutsche Umsatzsteuer fällig. Auf Ausfuhrlieferungen in Drittländer wird ebenfalls keine Steuer erhoben, egal, ob die Kunden Unternehmen oder nicht sind.

  • 10.Welche Leistungen sind von der Umsatzsteuer befreit?

    Bestimmte Umsätze bleiben von der Steuer befreit. Dazu zählen zum Beispiel Grundstücksverkäufe oder die Veräußerung von Unternehmen oder Anteilen davon. Sind Sie sich als Unternehmer nicht sicher, welche noch dazu gehören, hilft der Steuerberater sicher gern weiter.

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Quellenangaben

Insbesondere die Informationen folgender Quellen haben wir für die Themenwelt "Mehrwertsteuer" verwendet:

Letzte Aktualisierung am 05.12.2018

Die letzten Änderungen in der Themenwelt "Mehrwertsteuer" wurden am 05.12.2018 umgesetzt durch Michael Mühl. Hauptsächlich wurde folgendes aktualisiert: