Nach Trennung oder Scheidung – so wird Unterhalt geregelt

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  • Unterhaltsrechner
    Kindesunterhalt für voll- und minderjährige Kinder sowie der Ehegattenunterhalt werden mit Hilfe des Unterhaltsrechners bestimmt. Grundlage ist die Düsseldorfer Tabelle (DT). Berücksichtigt werden auch die offiziellen Anmerkungen zur DT, wonach die Einstufung in eine entsprechende Einkommensgruppe auch abhängig von der Anzahl Unterhaltsberechtigter und vom Bedarfskontrollbetrag ist. Zahlreiche Erklärungen und Herleitungen machen jeden Rechenschritt nachvollziehbar.

Liebe und Treue bis das der Tod euch scheidet – diese Ansicht über die Ehe ist wohl längst veraltet. In Deutschland lag die Quote der Ehescheidungen in den letzten Jahren zwischen 40 und 50 Prozent (Quelle: statista.de). Das sind fast die Hälfte aller Ehen, die geschlossen werden. Die Gründe sind vielfältig – Streit um finanzielle Belange zwischen den Partnern gehört häufig dazu. Und auch nach der Trennung oder der vollzogenen Scheidung geht die Auseinandersetzung um Geld in Form von Unterhalt weiter.

Mit folgendem Rechner können Sie den Ehegattenunterhalt gleich hier ermitteln. Viele Tipps zur Bedienung der Rechners und ein Berechnungsbeispiel erhalten Sie auf der speziellen Seite mit dem Ehegattenunterhalt-Rechner.

  • 01.

    Welchen Anspruch auf Ehegattenunterhalt gibt es während der Trennung?

    Bevor das Familiengericht die Ehe endgültig beendet, müssen die Partner eine Trennungsphase durchleben. Entscheidend ist hier, dass die Eheleute unabhängig voneinander leben und auch einen getrennten Hausstand führen. Dazu müssen beide über finanzielle Mittel verfügen. Verfügt ein Ehepartner nicht über Einkommen oder ist es zu gering, um das eigene Leben zu organisieren, so ist der Besserverdienende ihm zu Unterhalt verpflichtet. Ihm selbst muss jedoch ein Betrag von 1.200 Euro bleiben, der sogenannte Selbstbehalt. Dem Unterhaltsberechtigten steht 3/7 der Differenz zwischen Partnereinkommen und eigenem Verdienst zu (in Süddeutschland und im Saarland sind es 45%). Der Anspruch auf Trennungsunterhalt endet mit der rechtskräftigen Scheidung der Ehe.

  • 02.

    Wie sieht es mit dem Ehegattenunterhalt nach der Scheidung aus?

    Nach der vollzogenen Scheidung kann es unter bestimmten Umständen ein Recht auf nachehelichen Unterhalt geben. Auch hier geht es darum, dem finanziell schlechter gestellten Partner ein auskömmliches Leben zu ermöglichen. Mit diesen Gedanken regelt der §1567 des Bürgerlichen Gesetzbuches den Geschiedenenunterhalt. Während es früher fast selbstverständlich war, dass Mütter während der Zeit der Betreuung schulpflichtiger Kinder Unterhalt verlangen konnten, tritt in den aktuellen Fassungen des Gesetzes der Gedanke der Eigenverantwortung stärker in den Vordergrund.

  • 03.

    In welchen Zusammenhang stehen Unterhaltsverpflichtung und Leistungsfähigkeit?

    Einer Unterhaltspflicht gegenüber dem ehemaligen Partner können Ehegatten nur dann nachkommen, wenn sie leistungsfähig sind. Gibt es unterhaltsberechtigte minderjährige Kinder, so haben deren Ansprüche stets Vorrang vor denen des Ex-Partners. Außerdem steht jedem ein Selbstbehalt von 1.200 Euro zu. Bei einem geringen Verdienst kann es also durchaus vorkommen, dass der Geschiedene nur Unterhalt für den Nachwuchs zahlen kann, der bedürftige Partner leer ausgeht.

  • 04.

    Ist der Anspruch auf Ehegattenunterhalt zeitlich unbegrenzt?

    Nachehelicher Unterhalt ("Geschiedenenunterhalt") steht heute nur noch Ehegatten zu, wenn sie wegen der Betreuung von Kindern nicht erwerbstätig sein können. Dieser Anspruch ist jedoch auf die ersten drei Lebensjahre des Nachwuchses begrenzt. Danach gehend die Familiengerichte davon aus, dass dem geschiedenen Partner die Arbeitsaufnahme zuzumuten ist, wenn das Kind betreut werden kann. Hier ist also eine Einzelfallprüfung notwendig.

  • 05.

    Welches Schema hilft bei der Berechnung des Ehegattenunterhalts?

    Der Unterhaltsanspruch während der Phase der Kinderbetreuung beträgt 3/7 der Einkommensdifferenz zwischen den ehemaligen Partnern. Ausgangspunkt für die Berechnung von Unterhaltsansprüchen ist das bereinigte Nettoeinkommen des geschiedenen Partners. Dafür wird vom ausgewiesenen Nettoverdienst eines Arbeitnehmers oder vom Gewinn eines Selbständigen aus der Einkommenssteuererklärung eine Pauschale für die berufsbedingten Aufwendungen abgezogen. Üblich sind 5% des Einkommens, höchstens jedoch 150 Euro.

    Beispiel für eine Berechnung:

    Unterhaltsberechtigt ist eine Mutter, die nach der Scheidung den zweijährigen Sohn betreut.

    Bereinigtes Nettoeinkommen des Vaters2.000 €
    Vorrangiger Unterhaltsanspruch des Sohnes, gemäß Düsseldorfer Tabelle377 €
    angerechnet wird die Hälfte des Kindergeldes− 92 €
    285 €
    Unterhaltspflicht gegenüber den Sohn285 €
    Für den Ehegattenunterhalt verbleibendes Einkommen1.715 €
    Selbstbehalt1.200 €
    Leistungsfähigkeit des Vaters515 €
    Mutter verdient nebenbei150 €
    Einkommensdifferenz zwischen Vater und Mutter1.565 €
    Davon 3/7 Unterhaltsanspruch670 €
    Das übersteigt die Leistungsfähigkeit des Vaters (515 €)
    die Mutter erhält Betreuungsunterhalt nur bis zum Selbstbehalt515 €

    Während der Betreuungszeit ist die Mutter nicht verpflichtet, erwerbstätig zu sein. Würde ihr Nebenverdienst wegfallen, erhöht sich der Anspruch auf Betreuungsunterhalt auf 735 Euro. Doch aufgrund der begrenzten Leistungsfähigkeit des Ex-Partners wird sie trotzdem nur 515 Euro erhalten. Bei der Berechnung der Unterhaltszahlungen muss stets der Einzelfall betrachtet werden.

  • 06.

    Ist eine Vollzeittätigkeit nach der 3-Jahres-Frist Pflicht?

    Minderjährige Kinder benötigen die besondere Fürsorge des Erziehungsberechtigten. Unterhaltspflichtige dürfen daher nicht sofort eine Vollzeitbeschäftigung vom Ex-Partner verlangen. Wird keine geeignete Betreuungsmöglichkeit für den Nachwuchs gefunden, verlängert sich das Recht auf Ehegattenunterhalt auch nach Ablauf der ersten drei Lebensjahre. Das gilt vor allem dann, wenn ein Kind krank oder behindert ist. Wird die Lebensplanung der Ehepartner von vornherein so gestaltet, dass ein Elternteil wegen der Kinderbetreuung längere Zeit seine beruflichen Pläne zurückstellt, so wird auch ihm ein längerer Ehegattenunterhalt zugestanden.

  • 07.

    Existieren Unterhaltsansprüche in Ehen ohne betreuungspflichtige Kinder?

    Die Möglichkeit, sein Leben eigenständig zu gestalten und finanziell unabhängig zu leben gehört zu den Grundsätzen unserer modernen Gesellschaft. Das gilt auch nach einer Scheidung. In der Regel sollen beide Partner wirtschaftlich selbständig sein können, so dass Unterhaltsansprüche nicht entstehen. Doch es gibt auch Ausnahmen. Geschiedene können Ehegattenunterhalt verlangen, wenn

    • sie aufgrund ihres Alters oder einer eingeschränkter Gesundheit nicht mehr erwerbstätig sein können
    • sie trotz intensiver Suche keine angemessene Beschäftigung finden können
    • der eigene Verdienst nicht ausreicht, um das eigene Leben zu finanzieren
    • Billigkeitsgründe vorliegen (zum Beispiel die Betreuung eines anderen, nicht gemeinsamen Kindes)
  • 08.

    Wie können Unterhaltsansprüche von Geschiedenen durchgesetzt werden?

    Eine friedliche Trennung und eine einvernehmliche Scheidung ist bei uns wohl eher die Ausnahme. Auch finanzielle Auseinandersetzungen werden häufig mit Hilfe von Anwälten und Gerichten geführt. Dabei ist die Berechnung der Ansprüche auf Ehegattenunterhalt eigentlich einfach. Doch der Teufel steckt im Detail – und so streiten sich die ehemaligen Partner um die Höhe des Nettoeinkommens, um Zuverdienste und um die Dauer des Unterhalts. Wenn der Unterhaltspflichtige nicht freiwillig zahlt, so muss der Anspruch gerichtlich geltend gemacht werden. Unterhaltsklagen werden vor dem örtlich zuständigen Familiengericht verhandelt. Titulierte Ansprüche können zeitnahe vollstreckt werden.

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