Abfindung und die Fünftelregelung

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Welchen steuerlichen Vorteil oder Nachteil eine Abfindung mit Fünftelregelung hat, kann man mit unserem Abfindungsrechner ganz einfach selbst ausrechnen.

Dabei sollte man zunächst wissen, was es eigentlich genau bedeutet, eine Abfindung nach Fünftelregelung zu versteuern. Grundsätzlich erhält man auf der Grundlage dieser Rechtsauslegung eine Steuerermäßigung vom Finanzamt.

Weshalb die Fünftelregelung?

Eine Abfindung wird steuerlich als außerordentliche Einkünfte betrachtet. Außerordentliche Einkünfte haben die Eigenschaft, dass sie über mehrere Jahre erwirtschaftet wurden und in einem Jahr ausgezahlt werden. Um in dem Jahr der Auszahlung eine zu hohe steuerliche Belastung aufgrund dieses über mehrere Jahre erwirtschafteten Sondereffekts zu vermeiden, gibt es die Fünftelregelung. Zwar muss die gesamte Abfindung im Jahr der Auszahlung versteuert werden, jedoch wird der Steuersatz hierfür durch die Fünfteltregelung geglättet, also ermäßigt.

Vorteile der Fünftelregelung

Einen steuerlichen Vorteil durch die Abfindung mit Fünftelungregelung haben vor allem Arbeitnehmer, die aufgrund einer hohen Abfindung einen hohen persönlichen Steuersatz zahlen müssten. Wer ohne die Abfindung über ein Einkommen verfügt, für das nur ein relativ geringer Steuersatz fällig ist, müsste durch eine hohe Abfindung nach einigen Jahren Betriebszugehörigkeit sowohl auf die Abfindung als auch auf das Gehalt selbst hohe Einkommensteuern bezahlen. Je höher dagegen das eigene Einkommen ist, desto geringer ist der Vorteil durch diese Regelung. Wer zum Beispiel ohnehin schon den Spitzensteuersatz bei der Einkommensteuer zahlen muss, für den ergibt sich aus der Abfindung mit Fünftelungregelung kein Vorteil.

Wie funktioniert die Fünftelregelung?

Für die Abfindung und anderen außerordentlichen Einkünfte wird ohne besonderen Antrag ein anderer Steuersatz berechnet, als für das verbleibende zu versteuernde Einkommen (=zu versteuerndes Einkommen abzüglich außerordentliche Einkünfte). Im ersten Schritt wird die Steuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen berechnet. Im zweiten Schritt wird ein Fünftel der Abfindung dem verbleibenden zu versteuernden Einkommen hinzuaddiert und erneut die Steuer berechnet. Die Differenz beider Berechnungen entspricht nun der Steuer für ein Fünftel der Abfindung. Das Fünffache dieser Differenz bildet also die Steuer für die gesamte Abfindung.

Beispiel für die Anwendung der Fünftelregelung

Die Werte in diesem und in den nächsten Beispielen beziehen sich auf einen ledigen Arbeitnehmer (inkl. Soli und 9 Prozent Kirchensteuer).

Herr Schmitz hat 2017 ein Jahreseinkommen von 40.000 € und erhält eine Abfindung in Höhe von 60.000 €

1. Einkommensteuer , Soli, Kirchensteuer für 40.000 10.037,07
2. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer für 52.000
(40.000 + 1/5 der Abfindung)
15.313,23
3. Differenz der Steuerbeträge 5.276,16
4. Steuer für Abfindung
(5 × 5.276,16)
26.380,80


Sonderfälle bei der Berechnung der Fünftelregelung

Für die Berechnung der Steuer für Abfindungen ergeben sich einige Sonderfälle. Diese treten z.B. dann ein, wenn man im Jahr der Abfindungszahlung ansonsten keine oder negative Einkünfte hat. Bezieht man Lohnersatzleistungen (Entgeltersatzleistungen), wie Arbeitslosengeld, Krankengeld, Elterngeld oder Übergangsgeld der gesetzlichen Renten- bzw. Unfallversicherung, so wird die Berechnung der Abfindungsbesteuerung noch komplexer. Diese Lohnersatzleistungen unterliegen dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Das heißt, sie sind zwar selber steuerfrei, erhöhen aber indirekt die Steuerschuld, indem sie zur Berechnung des Einkommensteuersatzes fiktiv dem Einkommen hinzugerechnet werden. Somit wird sowohl vom eigentlichen Einkommen ein höherer Prozentsatz versteuert, als auch vom Einkommen zuzüglich dem Fünftel der Abfindung. Die Differenz dieser beiden Steuerbeträge ergibt dann wiederum die Steuer für ein Fünftel der Abfindung.

Beispiel für die Versteuerung der Abfindung ohne andere Einkünfte

Herr Schmitz hat 2017 kein (oder negatives) Einkommen erzielt und erhält eine Abfindung in Höhe von 100.000 €

1. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer für 0 0
2. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer für 20.000
(0 + 1/5 der Abfindung)
2.885,40
3. Differenz der Steuerbeträge
(= Steuer für 1/5 der Abfindung)
2.885,40
4. Steuer für Abfindung
(5 × 2.885,40)
14.427


Beispiel für Versteuerung der Abfindung bei Arbeitslosengeld

Herr Schmitz hat 2017 ein Einkommen von 20.000 erzielt und erhält eine Abfindung in Höhe von 100.000 €. Zudem hat er Arbeitslosengeld in Höhe von 5.000 € bezogen.

1. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer für 20.000 2.885,40
2. Fiktive Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer für 25.000
(20.000 + 5.000 Arbeitslosengeld)
4.480,39
3. Fiktiver Steuersatz (4.480,39 von 25.000) 17,922%
4. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer von 20.000 zu 17,922%
(Mehrbelastung durch ALG: 3.584,40 - 2.885,40 = 699)
3.584,40
5. Fiktive Einkommenst. , Soli, Kirchenst. für 45.000
(20.000 + 5.000 + 1/5 der Abfindung)
12.146,16
6. Fiktiver Steuersatz (12.146,16 von 45.000) 26,9915%
7. Einkommensteuer, Soli, Kirchensteuer von 40.000 zu 26,9915%
(20.000 + 1/5 der Abfindung)
10.796,60
8. Differenz der Steuerbeträge (4. Und 7.)
(= Steuer für 1/5 der Abfindung)
7.212,20
9. Steuer für Abfindung
(5 × 7.212,20)
36.061


Um bereits vorab auszurechnen, welche Auswirkungen die Abfindung mit Fünftelregelung hat, kann man auch unseren Abfindungsrechner nutzen.

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