Pflegegradrechner

Der Pflegegradrechner ermöglicht Ihnen, den Grad der Pflegebedürftigkeit zu bestimmen. Anhand Ihrer Angaben berechnet er, welcher Pflegegrad Ihnen oder Ihrem Angehörigen zustehen würde. Er gibt eine erste Orientierung dafür, ob eine Beantragung von Pflegegeld möglich wäre.

Feststellung von Pflegebedürftigkeit - das "Neue Begutachtungsassessment (NBA)"

Das neue Verfahren zur Feststellung der Pflegegrade ist das sogenannte "Neue Begutachtungsassessment (NBA)". Es wird im Zuge der Pflegereform ab 2017 verwendet, um den Grad der Pflegebedürftigkeit und damit dann die Pflegegrade festzustellen. Die bis Ende 2016 verwendeten Pflegestufen and das damit zusammenhängende Begutachtungsverfahren werden dadurch abgelöst. Das NBA wird insbesondere den Bedürfnissen Pflegebedürftiger mit eingeschränkter Alltagskompetenz, wie Demenz- und psychisch Kranker wesentlich gerechter. Psychische und physische Faktoren der Pflegebedürftigkeit werden hierdurch gleichgesetzt. Im alten System der Pflegestufen wurde dagegen hauptsächlich die körperliche Komponente betrachtet, wenn es um die Einteilung in eine Pflegestufe ging. Für alle Pflegebedürftigen, die bereits 2016 eine anerkannte Pflegestufe haben, beteht Bestandsschutz, d.h sie erhalten automatisch, also ohne erneute Prüfung einen Pflegegrad zugewiesen. Hier erhalten Sie Details zum Bestandsschutz und vielem mehr.

Gesamtpunktzahl entscheidet

Das NBA besteht aus sechs Modulen, die abhängig vom Grad der Pflegebedürftigkeit mit Punkten bewertet werden. Die Gesamtpunktzahl aller Module bestimmt dann den Pflegegrad.

PflegegradKurzbeschreibungPunkte
Pflegegrad 1geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeitab 12,5 bis unter 27 Punkte
Pflegegrad 2erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeitab 27 bis unter 47,5 Punkte
Pflegegrad 3schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeitab 47,5 bis unter 70 Punkte
Pflegegrad 4schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeitab 70 bis unter 90 Punkte
Pflegegrad 5schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung
ab 90 bis 100 Punkte

Die sechs Module des "Neuen Begut­achtungs­assessments" (NBA)

Der Pflegegradrechner beinhaltet alle sechs Module des "Neuen Begut­achtungs­assessments" (NBA), um die Fest­stellung der Pflege­bedürf­tigkeit ziel­genau zu erfassen. Zu jedem Modul gehören verschiedene Merkmale, die abhängig von ihrer Bewertung einzeln mit Punkten versehen werden. Die Punkte werden je nach Modul gewichtet und erst dann zu einer Gesamt­punkt­zahl addiert. So erhält z.B. das Modul 4 ("Selbst­versor­gung") mit 40% die höchste Gewichtung, während die Merkmale aus Modul 1 ("Mobilität") nur eine Gewichtung von 10% erhalten. Je höher schließ­lich die resul­tierende Gesamt­punkt­zahl, umso höher ist die Pflege­bedürf­tigkeit und damit der Pflege­grad.

Modul 1: Mobilität (Gewichtung 10%)

Die Ein­schätzung richtet sich bei den Merk­malen zu Modul 1 aus­schließ­lich auf die motorische Fähig­keit, eine Körper­haltung ein­zu­nehmen/zu wechseln und sich fort­zubewegen. Zu beurteilen sind hier lediglich Aspekte wie Körper­kraft, Balance, Bewegungs­koordination etc. und nicht die ziel­gerichtete Fort­bewegung. Generell ist bei den folgenden Fähig­keiten anzugeben, mit welchem Grad der Selb­ständig­keit sie aus­geführt werden können.

  • 0 = selbstständig: Die Person kann eine Handlung oder Aktivität allein, d.h. ohne Unter­stützung einer anderen Person durch­führen. Selbstständig ist auch, wer eine Handlung unter Nutzung von Hilfs­mitteln durch­führen kann.
  • 1 = überwiegend selbstständig: Die Person kann den größten Teil der Aktivität selb­ständig durch­führen. Dem­ent­sprechend entsteht nur geringer/mäßiger Aufwand für die Pflege­person.Beispiels­weise durch Zurecht­legen von Gegen­ständen oder sonstigen Vor­bereitungs­maß­nahmen, Anstoß­geben durch Auf­for­derung, einzelne Hand­reichungen oder Anwesen­heit aus Sicher­heits­gründen.
  • 2 = überwiegend unselbstständig: Die Person kann die Aktivität nur zu einem geringen Anteil selb­ständig durch­führen. Es sind aber Ressourcen vor­handen, so dass sie sich beteiligen kann. Dies setzt ggf. ständige Anleitung oder aufwändige Motivation auch während der Aktivität voraus oder Teil­schritte der Handlung müssen über­nommen werden. Zurecht­legen und Richten von Gegen­ständen, wieder­holte Auf­forderungen oder punktuelle Unter­stützungen reichen nicht aus.
  • 3 = unselbstständig: Die Person kann die Aktivität in der Regel nicht selb­ständig durch­führen bzw. steuern, auch nicht in Teilen. Es sind kaum oder keine Ressourcen vorhanden. Motivation, Anleitung, ständige Beauf­sichtigung reichen auf keinen Fall aus. Die Pflege­person muss alle oder nahezu alle Teil­handlungen anstelle der betroffenen Person durch­führen. Eine minimale Beteiligung ist nicht zu berück­sichtigen (z.B. wenn sich die Person nicht durch­gehend und nur mit kleinen Teil­hand­lungen beteiligt).

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten (Max. von 2 und 3: Gewichtung 15%)

Für diesen Bereich gilt eine ähnliche Gra­duie­rung wie im Falle der Selb­ständig­keit (vier­stufige Skala). Der Unter­schied liegt darin, dass hier keine Aktivität, sondern eine geistige Funktion beurteilt wird. Für die Bewertung ist unerheb­lich, ob ein zuvor selb­ständiger Erwachsener eine Fähig­keit verloren hat oder bei einem Kind eine Fähig­keit (noch) nicht aus­gebildet ist. Die Bewertungs­skala umfasst folgende Aus­prä­gungen:

  • 0 = vorhanden/unbeeinträchtigt: Die Fähig­keit ist (nahezu) voll­ständig vor­handen.
  • 1 = größtenteils vorhanden: Die Fähig­keit ist über­wiegend (die meiste Zeit über, in den meisten Situa­tionen), aber nicht durch­gängig vor­handen. Die Person hat Schwierig­keiten, höhere oder komplexere Anfor­derungen zu bewäl­tigen.
  • 2 = in geringem Maße vorhanden: Die Fähig­keit ist stark beein­träch­tigt, aber erkennbar vor­handen. Die Person hat häufig und/oder in vielen Situationen Schwierig­keiten. Sie kann nur geringe Anfor­derungen bewältigen. Es sind Ressourcen vor­handen.
  • 3 = nicht vorhanden: Die Fähig­keit ist nicht oder nur in sehr geringem Maße (sehr selten) vor­handen.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen (Max. von 2 und 3: Gewichtung 15%)

Es geht hier um patho­logische Ver­haltens­weisen und psychische Problem­lagen als Folge von psychischen Erkran­kungen oder cerebralen Schädi­gungen, die trotz adäquater Diag­nostik und Therapie immer wieder auftreten und personelle Unter­stützung erforder­lich machen. In diesem Modul ist eine inhalt­lich abweichende, aber ebenfalls vier­stufige Skala zu verwenden. Erfasst wird die Häufig­keit, mit der ein Verhalten oder Problem gegen­wärtig auftritt, auch wenn der Gut­achter den Eindruck hat, dass das Verhalten durch äußere Einflüsse verursacht wird. Er soll in einem solchen Fall Maßnahmen zur Verbesserung der Situation und eine Nach­unter­suchung empfehlen. Es werden folgende Merk­mals­aus­prä­gungen erfasst:

  • 0 = nie oder nur sporadisch
  • 1 = selten: ein- bis zweimal inner­halb von zwei Wochen
  • 2 = häufig: zweimal oder mehrmals wöchentlich, aber nicht täglich
  • 3 = täglich

Im Mittel­punkt dieses dritten Moduls steht letzt­lich die Frage, inwie­weit die Person ihr Ver­halten ohne perso­nelle Unter­stützung steuern kann. Von fehlender "Selbst­steuerung" ist auch dann auszu­gehen, wenn ein Ver­halten zwar nach Auffor­derung abgestellt wird, aber danach immer wieder aufs Neue auftritt, weil das Verbot nicht ver­standen wird oder nicht erinnert werden kann. Abzu­grenzen sind hier gezielte heraus­fordernde Verhaltens­weisen, z.B. im Rahmen von Beziehungs­problemen, die nicht zu berück­sichtigen sind.

Modul 4: Selbstversorgung (Gewichtung 40%)

Die Ein­­schät­zung richtet sich bei den Merk­­malen zu Modul 4 wiederum nach dem Grad der Selb­stän­dig­keit (siehe Modul 1).

Modul 5: Umgang mit krankheits- / therapiebedingten Anforderungen und Belastungern (Gewichtung 20%)

In diesem Modul geht es vor­rangig um die Ein­schätzung, ob die zu beurtei­lende Person spezi­fische krank­heitsb­edingte Anfor­derungen selb­ständig bewältigen kann. Dazu gehört insbesondere die Durch­führung ärztlich verordneter Maß­nahmen, die gezielt auf eine bestehende Erkrankung aus­gerichtet sind. Die meisten der fol­genden Behandlungs­maß­nahmen können grund­sätz­lich von den betroffenen Personen selb­ständig durch­geführt werden (z.B. Ein­nehmen von Medikamenten, Arzt- oder Therapie­besuche oder Insulin­injek­tionen). Auch auf­wändigere Behandlungs­maß­nahmen, die Fach­wissen erfordern, wie die Ver­sorgung eines Stomas oder das Einmal­katheteri­sieren, selbst das Absaugen, werden von einzelnen Betroffenen selb­ständig durch­geführt. Auch in diesem Kapitel ist also vor­rangig zu prüfen, ob die Person diese Maß­nahmen selb­ständig durch­führen kann. Ist dies nicht der Fall, wird die Häufig­keit der Hilfe durch andere Personen doku­mentiert (oftmals identisch mit der ärztlich angeordneten Häufig­keit). Wenn Hilfen seltener als einmal monat­lich erforder­lich sind, ist eine "0" unter Monat einzutragen.

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte (Gewichtung 15%)

Zu bewerten ist, ob die unter­suchte Person die jeweilige Aktivi­tät prak­tisch durch­führen kann. In der Regel sind dazu nicht nur kogni­tive Funk­tionen, sondern auch motorische Fähig­keiten erfor­der­lich. Die Ein­­schät­zung richtet sich wieder nach dem Grad der Selb­stän­dig­keit (siehe Modul 1).

Merkmale der Module und deren Bewertung

Jedes der sechs Modul enthält mehrere Merkmale, die einzeln zu bewerten sind. Je nach Modul betrifft dies die Selbstständigkeit von Fähigkeiten, die Häufigkeit bestimmter Verhaltensweisen oder die Häufigkeit von Anforderungen an die pflegende Person. Jedem dieser Merkmale wird entsprechend eine von vier Ausprägungen und damit Punkte zugeordnet. Beispielsweise werden in Modul 1 den Merkmalen 1.1 bis 1.5 jeweils die Ausprägungen "selbstständig - überwiegend selbstständig - überwiegend unselbstständig - unselbstständig" mit den Punkten 0 bis 3 zugeordnet. Somit können in Modul insgesamt bis zu 15 Punkte erzielt werden. Diese gehen schließlich für Modul 1 mit 10%iger Gewichtung in die den Pflegegrad bestimmende Gesamtpunktzahl ein. Entsprechend wird dies für die anderen fünf Module berechenet und so die Gesamtpunktzahl ermittelt.

Sume der Punkte in Modul 1 0-1 2-3 4-5 6-9 10-15
Gewichtete Punkte in Modul 1 0 2,5 5 7,7 10

Detailinformationen zu jedem Merkmal im Rechner

Meist ist es schwer einzuschätzen, welche exakte Ausprägung einem Merkmal zugeordnet werden soll. Im Auftrag des Bundes­gesund­heits­minis­teriums (BMG) wurden daher die "Richt­linien zur Ein­stufung in einen Pflege­grad (Begut­achtungs­manual)" herausgegeben. Hierin wird unter anderem für jedes Merkmal, also für jede der abgefragten Fähigkeiten bzw. Häufigkeiten im Detail und exemplarisch beschrieben, wie diese zu bewerten sind. Diese umfassenden Informationen sind auch im Rechner hinterlegt und verbergen sich hinter den Info-Buttons der einzelnen Merkmale.

Beispiel zu 1.1. Beschreibung der Fähigkeit "Positionswechsel im Bett"

Einnehmen von verschie­denen Positionen im Bett, Drehen um die Längs­achse, Auf­richten aus dem Liegen.

Bewertung/AusprägungBeschreibung
Selbstständig Selbstständig ist auch eine Person, die ihre Position unter Nutzung von Hilfs­mitteln (Auf­richter, Bett­gitter, Strick­leiter, elek­trisch verstell­bares Bett) allein verändern kann.
Überwiegend selbstständig Die Person kann beispiels­weise nach An­reichen eines Hilfs­mittels oder Reichen der Hand ihre Lage im Bett ver­ändern.
Überwiegend unselbstständig Eine Person, die beim Positions­wechsel nur wenig mit­helfen kann (z.B. auf den Rücken rollen, am Bett­gestell fest­halten, Auf­forderungen folgen wie z.B. Arme vor der Brust ver­schränken, Kopf auf die Brust legen).
Unselbstständig Personen, die auch hierzu nicht in der Lage sind.

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Pflege, Medizin & Gesundheit