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Verletztengeld berechnen

Aktualisiert am von Stefan Banse

Verletztengeld ist eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufs­genossen­schaften) bei Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit. Der Verletztengeld-Rechner ermittelt Ihren Anspruch auf diese Leistung anhand Ihrer Angaben zum Einkommen. Die grafische Ausgabe veranschaulicht die Versorgungsücke zwischen Ihrem gewohnten Nettogehalt und der Höhe des Verletztengeldes der Unfallversicheurung. Zahlreiche Informationen im Ergebnis machen die Berechnung des Verletztengeld­anspruchs und der Nettolücke transparent und nachvollziehbar.

Hinweise zur Nutzung des Verletztengeldrechners

Wählen Sie bitte zunächst aus, für welches Kalenderjahr die Berechnung des Verletztengeldes durchgeführt werden soll. Abhängig davon werden ggf. unter­­schied­­liche Sozial­­versich­erungs­sätze, Beitrags­­bemessungs­­grenzen oder Bezugs­­größen für die Verletzten­­geld­­berech­nung verwen­det.

Geben Sie bitte im nächsten Feld das Bruttogehalt des letzten Monats vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ein. Zum Bruttoeinkommen zählen auch Sach­bezüge, vermögens­wirksame Leistungen und Mehrarbeits­vergütungen. Ein­malig gezahl­te Arbeits­entgelte, wie z.B. Urlaubs- oder Weih­nachts­geld bitte hier nicht eintragen. Im Unterschied zur Berechnung des Krankengeldes können auch steuerfreie Entgeltbestandteile wie z.B. Feiertags- und Nachtarbeitszuschläge, die somit nicht beitragspflichtig in der Krankenversicherung sind, für das Verletztengeld berücksichtigt werden. Dies gilt auch für Einnahmen aus einer geringfügigen Beschäftigung. Geregelt ist dies in § 1, Abs. 2 der Sozial­versicherungs­entgelt­verordnung - SvEV. Dort heißt es: "In der gesetzlichen Unfall­versicherung und in der Seefahrt sind auch lohnsteuer­freie Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit dem Arbeits­entgelt zuzurechnen [...]".

Im weiteren können Sie Ihr Nettomonatseinkommen des letzten Monats vor Beginn der Arbeits­unfähig­keit angeben. Das Nettogehalt ist das um Steuern sowie um Sozial­­versicherungs­beiträge ver­min­derte Brutto­arbeits­gehalt.

Im nächsten Feld geben Sie bitte Ihre erhaltenen Einmalzahlungen des letzten Jahres vor Beginn der Arbeits­unfähig­keit an. Dazu zählen z.B. Weih­nachts­geld, Urlaubsgeld oder auch Gewinnbeteiligungen. Die Einmalzahlungen werden bei der Verletztengeldberechnung dem monatlichen Gehalt anteilig hinzugerechnet und somit berücksichtigt.

Geben Sie im folgenden bitte an, ob Sie hinsichtlich Ihrer gesetzlichen Unfallversicherung dem Beitrittsgebiet West oder Ost angehören. Das beim Verletztengeld höchstens zu berücksichtigende Einkommen wird durch das Doppelte der allgemeinen Bezugsgröße nach oben begrenzt. Diese Bezugsgröße liegt 2020 für das Beitrittgebiet West bei 3.185 Euro (2019 bei 3.115 Euro) und für Ost bei 3.010 Euro (2019 bei 2.870 Euro) monatlich und ist, wie gesagt, für die Obergrenze zu verdoppeln. Die Bezugsgröße ist definiert als das Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr. Die Anbindung an diese Bezugsgröße erspart die jährliche Anpassung von Rechengrößen in vielen Vorschriften der Sozialversicherung.

Schließlich ist noch die Angabe erforderlich, ob Sie älter als 23 Jahre und kinderlos sind. Denn Kinder­lose ab dem 24. Lebens­jahr müssen einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen. Während der normale Beitrag zur Pflege­pflicht­versicherung vom Versicherungsträger weiterhin voll übernommen wird, muss der Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,25 Prozent beim Verletztengeld selbst entrichtet werden.

Beispiel für die Berechnung des Verletztengeldes

Herr Müller, wohnhaft in Köln, verheiratet und drei Kinder, hat 2020 ein monatliches Bruttogehalt von 5.000 Euro. Sein Netto-Arbeitsentgelt beträgt 3.500 Euro. Außerdem hat er in den vergangenen 12 Monaten Weihnachstgeld und Urlaubsgeld in Höhe von zusammen 6.000 Euro erhalten. Nach einem Arbeitsunfall ist er nun schon mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig. Nach Ablauf der sechswöchigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch seinen Arbeitgeber hat er nun Anspruch auf Verletztengeld von der gestzlichen Unfallversicherung. Dieser wird wie folgt berechnet:

Kumuliertes Brutto

Herr Müller hat vor Beginn des Arbeitsunfalls ein kumuliertes Bruttogehalt in Höhe von 5.500 Euro. Es setzt sich zusammen aus seinem laufenden Brutto-Monatsgehalt sowie anteilig aus den Einmalzahlungen, nämlich seinem Weihnachts- und Urlaubsgeld. Dieses kumulierte Brutto ist in § 47 SGB VII "Höhe des Verletztengeldes" als Regelentgelt definiert.

Kumuliertes Netto

Das kumulierte Nettoentgelt wird genauso berechnet, wie das kumulierte Bruttoentgelt. Dieses beträgt für Herrn Müller 3.850 Euro und setzt sich zusammen aus den monatlichen 3.500 Euro zuzüglich der "auf netto herunter gerechneten" Einmalzahlungen. Hierzu wird das Verhältnis zwischen monatlichem Brutto- und Nettogehalt auch auf die Einmalzahlungen angewandt. Anteilig betragen die Einmalzahlungen also hier 350 Euro je Monat netto.

Verletztengeld (brutto)

Die Berechnung des monatlichen Verletztengeldes von Herrn Müller unterliegt folgenden Regeln gemäß § 47 SGB VII:

  • Die Berechnungs­grundlage für das Verletztengeld bilden 80 Prozent, also 4.400 Euro seines kumulierten Bruttos. Das kumulierte Brutto wird aber zuvor ggf. durch das Zweifache der monatlichen Bezugsgröße im Beitrittgebiet West in Höhe von 6.370 Euro (Stand 2020) gedeckelt, wobei die jeweilige Satzung des Trägers auch eine höhere Obergrenze festgelegt haben kann.
  • Das Verletztengeld darf zudem sein Monatsgehalt netto (also ohne Einmalzahlungen) in Höhe von 3.500 Euro nicht überschreiten.
  • Das Verletztengeld ist demnach der kleinere der beiden obigen Beträge, also 3.500 Euro.

Beiträge zur Sozialversicherung

Von Herrn Müllers Tagessatz an Brutto-Krankengeld werden noch die hälftigen Beitragsanteile zur Renten- und Arbeitslosen­versicherung einbehalten. Die andere Hälfte zahlt der Unfall­versicherungs­träger. Diese hälftigen Anteile betragen derzeit (Stand 2020) 9,3 Prozent für die Rentenversicherung und 1,2 Prozent für die Arbeitslosen­versicherung. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden vom Versicherungsträger voll übernommen. Da Herr Müller Kinder hat, muss er nicht den Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,25 Prozent zur Pflegeversicherung entrichten. Denn diesen müsste er alleine tragen, obwohl ja die Beiträge zur Pflegeversicherung ansonsten von der Unfallversicherung übernommen werden. Somit werden 10,5 Prozent des Brutto-Verletztengeldes von Herrn Müller einbehalten.

Verletztengeld (netto)

Schließlich erhält Herr Müller ein tägliches Verletztengeld in Höhe von 104,42 Euro bzw. monatlich 3.132,50 Euro durch die Berufsgenossenschaft.

Netto-Lücke bzw. Versorgungslücke

Herr Müller erhält somit nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlung monatlich 717,50 Euro weniger als er vorher kumuliert zur Verfügung hatte.

Tipps

Tipp 1: Unfalltagegeld-Versicherung abschließen

Schließen Sie eine Unfall­tagegeld­versicherung ab, um die Versorgungslücke nach Ablauf der sechswöchigen Lohnfortzahlung günstig abzusichern.

Tipp 2: Weitere Entgeltersatzleistungen

Zahlreiche Informationen und die passenden Rechner zu weiteren Entgeltersatzleistungen finden Sie in unserem Themenwelten Übergangsgeld und Krankengeld.

Quellenangaben

Insbesondere die Informationen folgender Quellen haben wir für die Themenwelt "Verletztengeld" verwendet:

Letzte Aktualisierung am 05.11.2019

Die letzten Änderungen in der Themenwelt "Verletztengeld" wurden am 05.11.2019 umgesetzt durch Stefan Banse. Hauptsächlich wurde folgendes aktualisiert:

  • 05.11.2019: Berücksichtigung der geänderten Parameter für die neuen Sozialversicherungs­beiträge, Bemessungsgrenzen und Bezugsgrößen 2020 im Verletztengeldrechner.
  • 05.11.2019: Erweitern des Verletztengeldrechners um die Auswahl des Berechnungsjahres.
  • 10.11.2019: Anpassung der Logik des Verletztengeldrechners an die neuen Sozialversicherungsbeiträge, Bemessungsgrenzen und Bezugsgrößen 2019
  • Redaktionelle Überarbeitung aller Texte in dieser Themenwelt