Verletztengeld berechnen

Verletztengeld ist eine Entgeltersatzleistung der gesetzlichen Unfallversicherung (Berufsgenossenschaften) bei Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit. Der Verletztengeld-Rechner ermittelt Ihren Anspruch auf diese Leistung anhand Ihrer Angaben zum Einkommen. Die grafische Ausgabe veranschaulicht die Versorgungsücke zwischen Ihrem gewohnten Nettogehalt und der Höhe des Verletztengeldes der Unfallversicheurung. Zahlreiche Informationen im Ergebnis machen die Berechnung des Verletztengeldanspruchs und der Nettolücke transparent und nachvollziehbar.

Hinweise zur Nutzung des Verletztengeldrechners

Geben Sie bitte im ersten Feld das Bruttogehalt des letzten Monats vor Beginn der Arbeitsunfähigkeit ein. Sollte das monatliche Gehalt nicht immer gleich hoch ist, tragen Sie bitte das durchschnittliche Bruttoeinkommen der letzen drei Monate ein. Zum Bruttoeinkommen zählen auch Sach­bezüge, vermögens­wirksame Leistungen und Mehrarbeits­vergütungen. Ein­malig gezahl­te Arbeits­entgelte, wie z.B. Urlaubs- oder Weih­nachts­geld bitte hier nicht eintragen. Im Unterschied zur Berechnung des Krankengeldes können auch steuerfreie Entgeltbestandteile wie z.B. Feiertags- und Nachtarbeitszuschläge, die somit nicht beitragspflichtig in der Krankenversicherung sind, für das Verletztengeld berücksichtigt werden. Dies gilt auch für Einnahmen aus einer geringfügigen Beschäftigung.

Im weiteren können Sie Ihr Nettomonatseinkommen des letzten Monats vor Beginn der Arbeits­unfähig­keit angeben. Das Nettogehalt ist das um Steuern sowie um Sozial­versicherungsbeiträge ver­min­derte Brutto­arbeits­gehalt.

Im nächsten Feld geben Sie bitte Ihre erhaltenen Einmalzahlungen des letzten Jahres vor Beginn der Arbeits­unfähig­keit an. Dazu zählen z.B. Weih­nachts­geld, Urlaubsgeld oder auch Gewinnbeteiligungen. Die Einmalzahlungen werden bei der Verletztengeldberechnung dem monatlichen Gehalt anteilig hinzugerechnet und somit berücksichtigt.

Geben Sie im folgenden bitte an, ob Sie hinsichtlich Ihrer gesetzlichen Unfallversicherung dem Beitrittsgebiet West oder Ost angehören. Das beim Verletztengeld höchstens zu berücksichtigende Einkommen wird durch das Doppelte der allgemeinen Bezugsgröße nach oben begrenzt. Diese Bezugsgröße liegt aktuell (2018) für das Beitrittgebiet West bei 3.045 € und für Ost bei 2.695 € monatlich und ist, wie gesagt, für die Obergrenze zu verdoppeln. Die Bezugsgröße ist definiert als das Durchschnittsentgelt der gesetzlichen Rentenversicherung im vorvergangenen Kalenderjahr. Die Anbindung an diese Bezugsgröße erspart die jährliche Anpassung von Rechengrößen in vielen Vorschriften der Sozialversicherung.

Schließlich ist noch die Angabe erforderlich, ob Sie älter als 23 Jahre und kinderlos sind. Denn Kinder­lose ab dem 24. Lebens­jahr müssen einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung zahlen. Während der normale Beitrag zur Pflegepflichtversicherung vom Versicherungsträger weiterhin voll übernommen wird, muss der Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,25% beim Verletztengeld selbst entrichtet werden.

Beispiel für die Berechnung des Verletztengeldes

Herr Müller, wohnhaft in Köln, verheiratet und drei Kinder, hat ein monatliches Bruttogehalt von 5.000 Euro. Sein Netto-Arbeitsentgelt beträgt 3.500 Euro. Außerdem hat er in den vergangenen 12 Monaten Weihnachstgeld und Urlaubsgeld in Höhe von zusammen 6.000 Euro erhalten. Nach einem Arbeitsunfall ist er nun schon mehr als sechs Wochen arbeitsunfähig. Nach Ablauf der sechswöchigen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall durch seinen Arbeitgeber hat er nun Anspruch auf Verletztengeld von der gestzlichen Unfallversicherung. Dieser wird wie folgt berechnet:

Kumuliertes Brutto

Herr Müller hat vor Beginn des Arbeitsunfalls ein durchschnittliches Bruttogehalt in Höhe von 5.500 €. Es setzt sich zusammen aus seinem laufenden Brutto-Monatsgehalt sowie anteilig aus den Einmalzahlungen, nämlich seinem Weihnachts- und Urlaubsgeld. Dieses kumulierte Brutto ist in § 47 SGB VII "Höhe des Verletztengeldes" als Regelentgelt definiert.

Kumuliertes Netto

Das kumulierte Nettoentgelt wird genauso berechnet, wie das kumulierte Bruttoentgelt. Dieses beträgt für Herrn Müller 3.850 € und setzt sich zusammen aus den monatlichen 3.500 € zuzüglich der "auf netto herunter gerechneten" Einmalzahlungen. Hierzu wird das Verhältnis zwischen monatlichem Brutto- und Nettogehalt auch auf die Einmalzahlungen angewandt. Anteilig ergeben sich aus den Einmalzahlungen also hier 350 € je Monat netto.

Verletztengeld (brutto)

Die Berechnung des monatlichen Verletztengeldes von Herrn Müller unterliegt folgenden Regeln gemäß § 47 SGB VII:

  • Die Berechnungsgrundlage für das Verletztengeld bilden 80%, also 4.400 € seines kumulierten Bruttos. Das kumulierte Brutto wird aber zuvor ggf. durch das Zweifache der monatlichen Bezugsgröße im Beitrittgebiet West in Höhe von 6.090 € gedeckelt, wobei die jeweilige Satzung des Trägers auch eine höhere Obergrenze festgelegt haben kann.
  • Das Verletztengeld darf zudem sein Monatsgehalt netto (also ohne Einmalzahlungen) in Höhe von 3.500 € nicht überschreiten.
  • Das Verletztengeld ist demnach der kleinere der beiden obigen Beträge, also 3.500 €.
  • Beiträge zur Sozialversicherung

    Von Herrn Müllers Tagessatz an Brutto-Krankengeld werden noch die hälftigen Beitragsanteile zur Renten- und Arbeitslosenversicherung einbehalten. Die andere Hälfte zahlt der Unfallversicherungsträger. Diese hälftigen Anteile betragen derzeit (Stand 2018) 9,3% für die Rentenversicherung und 1,5% für die Arbeitslosenversicherung. Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung werden vom Versicherungsträger voll übernommen. Da Herr Müller Kinder hat, muss er nicht den Kinderlosenzuschlag in Höhe von 0,25% zur Pflegeversicherung entrichten. Denn diesen müsste er alleine tragen, obwohl ja die Beiträge zur Pflegeversicherung ansonsten von der Unfallversicherung übernommen werden. Somit werden 10,8% des Brutto-Verletztengeldes von Herrn Müller einbehalten.

    Verletztengeld (netto)

    Schließlich erhält Herr Müller ein tägliches Verletztengeld in Höhe von 104,07 € bzw. monatlich 3.122 € durch die Berufsgenossenschaft.

    Netto-Lücke bzw. Versorgungslücke

    Herr Müller erhält somit nach Ablauf der sechswöchigen Entgeltfortzahlung monatlich 728 € weniger als er vorher kumuliert zur Verfügung hatte.

    Tipps

    Tipp 1: Unfalltagegeld-Versicherung abschließen

    Schließen Sie eine Unfalltagegeldversicherung ab, um die Versorgungslücke nach Ablauf der sechswöchigen Lohnfortzahlung günstig abzusichern.

    Tipp 2: Weitere Entgeltersatzleistungen

    Zahlreiche Informationen und die passenden Rechner zu weiteren Entgeltersatzleistungen finden Sie in unserem Themenwelten Übergangsgeld und Krankengeld.


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Medizin & Gesundheit, Arbeit & Soziales