Pflegelückenrechner

Die Pflegelücke bezeichnet die Differenz zwischen den Kosten für die notwendigen Pflegedienstleistungen eines Pflegebedürftigen und den Erstattungen durch die gesetzliche Pflegeversicherung. Die Pflegeversicherung wurde nämlich von Anfang an nicht als Vollversicherung konzipiert sondern dient lediglich dazu, nur Teile der Kosten im Zusammenhang mit der Pflegebedürftigkeit zu übernehmen.

Der Pflegelückenrechner ermittelt einerseits die mittleren Kosten für die Pflegedienstleistungen abhängig vom jeweiligen Bundesland und vom Schweregrad der Pflegebedürftigkeit, charakterisiert durch die drei unterschiedlichen Pflegestufen bzw. ab 2017 durch die fünf Pflegegrade. Andererseits informiert der Pflegelückenrechner über die Höhe der jeweiligen Kostenübernahme durch die gesetzliche Pflegeversicherung. Zusammen mit den möglichen Eigenleistungen z.B. aus dem Bezug von Rente wird die gegebenenfalls entstehende Finanzierungslücke, also die Pflegelücke errechnet.

Berechnung anhand voraussichtlicher Versorgung

Bei der Auswahl "Häusliche Pflege" wird bei der Berechnung davon ausgegangen, dass ein ambulanter Pflegedienst täglich die für die jeweilige Pflegestufe erforderlichen Verrichtungen bei Ihnen zu Hause durchführt. "Tagespflege" bezeichnet die teilstationäre Pflege in einer entsprechenden Pflegeeinrichtung. Bei der Berechnung der möglichen Pflegelücke wird von einer täglichen Inanspruchnahme der Einrichtung inkl. Verpflegung ausgegangen. Bei der Auswahl "Pflegeheim" wird von einer vollstationären Dauerpflege inkl. Unterkunft und Verpflegung sowie der sogenannten Investitionskosten ausgegangen.

Kosten abhängig vom Bundesland

Die durch­schnitt­liche Vergütung der Pflege­heime, insbe­sondere für die voll­stationäre Pflege, ist von Bundes­land zu Bundes­land, genau wie die soge­nannten Investitions­kosten, sehr unter­schied­lich. So liegt z.B. laut Statis­tischem Bundes­amt ("Pflege­statistik 2015" (01/2017)) die mitt­lere Vergü­tung für Pflege­stufe III (bis Ende 2016 galten Pflege­stufen) inkl. Unter­kunft und Verpfle­gung in NRW über 1.000 € höher als in Sachsen-Anhalt.

Ab 2017 lösten im Rahmen der Pflege­reform fünf neu defi­nierte Pflege­grade die bis dahin gel­tenden Pflege­stufen ab. Für Pflege­bedürftige, die bereits 2016 eine anerkannte Pflege­stufe hatten, erfolgte eine automa­tische Umwand­lung der Pflege­stufen in die neuen Pflege­grade wie folgt:

Pflegestufe......wird zu Pflegegrad
Pflegestufe 0 mit eingeschränkter AlltagskompetenzPflegegrad 2
Pflegestufe 1Pflegegrad 2
Pflegestufe 1 mit eingeschränkter AlltagskompetenzPflegegrad 3
Pflegestufe 2Pflegegrad 3
Pflegestufe 2 mit eingeschränkter AlltagskompetenzPflegegrad 4
Pflegestufe 3Pflegegrad 4
Pflegestufe 3 mit eingeschränkter AlltagskompetenzPflegegrad 5

Da es noch keine ent­sprechen­den statis­tischen Daten zu Pflegegraden gibt, er­folgt die Berech­nung der durch­schnitt­lichen Kosten je Pflege­grad anhand dieser Umwand­lung. Z.B. setzen sich somit die Kosten für Pflegegrad 4 aus dem Mittel­wert der Kosten von Pflegestufe 2 mit e.A. und Pflegestufe 3 zusammen.

Unterschiedliche Pflegestufen

Je nach Pflegestufe, also dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit unterscheidet sich der Aufwand zur Erbringung der Pflegedienstleistungen und damit deren Kosten. Die Feststellung der Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung zu einer der Pflegestufen I, II oder III erfolgt durch die zuständige Pflegekasse mit Hilfe des medizinischen Dienstes der Krankenversicherung.

Pflegebedürftige der Pflegestufe I (erheblich Pflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. (Täglicher Hilfebedarf mindestens 90 Minuten; hierbei müssen auf die Grundpflege mehr als 45 Minuten entfallen)

Pflegebedürftige der Pflegestufe II (Schwerpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege,der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. (Täglicher Hilfebedarf mindestens drei Stunden; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens zwei Stunden entfallen)

Pflegebedürftige der Pflegestufe III (Schwerstpflegebedürftige) sind Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität täglich rund um die Uhr, auch nachts, der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. (Täglicher Hilfebedarf mindestens fünf Stunden; hierbei müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen)

Unterschiedliche Pflegegrade

Auch die ab 2017 neuen Pflegegrade sind abhängig vom Grad des Pflege­bedarfs. Die Fest­stel­lung der Pflege­bedürf­tigkeit und die Zuordnung zu einer der fünf Pflege­grade erfolgt ebenfalls durch die zustän­dige Pflege­kasse mit Hilfe des medi­zi­ni­schen Dienstes der Kranken­ver­sicherung.

Die Pflege­bedürf­tigen werden mit Hilfe einer Punkte­skala ganz­heit­lich im Bezug auf ihre Selb­ständig­keit bewertet. Die Eintei­lung in die fünf Pflege­grade erfolgt dann auf Basis der verge­benen Punkte.

  • Pflegegrad 1: geringe Beein­träch­tigung der Selbst­ständig­keit
  • Pflegegrad 2: erheb­liche Beein­träch­tigung der Selbst­ständig­keit
  • Pflegegrad 3: schwere Beein­träch­tigung der Selbst­ständig­keit
  • Pflegegrad 4: schwerste Beein­träch­tigung der Selbst­ständig­keit
  • Pflegegrad 5: schwerste Beein­träch­tigung der Selbst­ständig­keit mit beson­deren Anfor­derungen an die pfle­gerische Versor­gung

Mittlere Kosten für die Pflege in Deutschland

Die mittleren monatlichen Kosten für die vollstationäre Pflege im Pflegeheim sind abhängig von der Pflegestufe bzw. seit 2017 vom Pflegegrad, also der Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. Da es noch keine statis­tischen Daten bzgl. der Kosten bei unter­schied­lichen Pflege­graden gibt, erfolgt deren Berech­nung näherungs­weise anhand der Kosten zu den Pflege­stufen, die bis bis Ende 2016 galten. Denn zum 1.1.2017 erfolgte eine Umwand­lung von beste­henden Pflege­stufen zu Pflege­graden wie in obiger Tabelle unter "Kosten abhängig vom Bundesland" dargestellt. Da diese Umwand­lung z.B. dazu führt, dass Pflege­grad 4 hervorgeht aus Pflege­stufe 2 mit e.A. oder aus Pflege­stufe 3, werden die Kosten bei Pflege­grad 4 anhand des Mittel­werts der Kosten von Pflege­stufe 2 mit e.A. und Pflege­stufe 3 errechnet. Zu Pflege­grad 1 können diese Kosten der­zeit nicht berech­net werden, da es keine korres­pon­die­rende Pfleges­tufe und damit keine statistische Erhebung gibt.

Die konkreten Kosten hängen von den Konditionen des örtlichen Pflegeanbieters ab und können von den im Rechner ermitelten Werten nach oben wie nach unten abweichen. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung sind im Rechner an den enstprechenden Stellen berücksichtigt.

Die Kosten setzen sich unter anderem zusammen aus den vom Statistischen Bundesamt erhobenen Beträgen. Bei vollstationärer Pflege im Pflegeheim werden zudem die sogenannten Investitionskosten (veröffentlicht unter www.pflegedatenbank.com) der einzelnen Bundesländer im Pflegelückenrechner berücksichtigt. Diese Investitionskosten wurden vom Statistischen Bundesamt trotz ihres Umfangs nicht erhoben, obwohl sie regelmäßig anfallen. Es sind Aufwendungen, die der Betreiber eines Pflegeheimes "investieren" muss, um die notwendigen Instandsetzungen oder Neubauten für den Betrieb einer Pflegeeinrichtung zu finanzieren. Sie sind vergleichbar mit Investitionen, die ein Hauseigentümer für z.B. Renovierungen, Ausbau usw. aufwenden muss. Bei der teilstationären Tagespflege werden die Investitionskosten in der Regel auf Antrag der Tagespflegeeinrichtung im Rahmen der Investitionskostenförderung mit dem zuständigen Kostenträger abgerechnet und müssen daher normalerweise nicht vom Tagespflegegast übernommen werden.

Quellen:

  • Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2015, Ländervergleich - Pflegeheime, 03/2017
  • www.pflegedatenbank.com, 04/2014 (Investitionskosten)
  • Stiftung Warentest 03/06 (Kosten für häusliche bzw. ambulante Pflegedienstleistungen)

Erstattung durch die gesetzliche Pflegeversicherung

Bis zur Höhe folgender Beträge erstattet die Pflegeversicherung seit 1. Januar 2015 bis 31.12.2016 die monatlichen Aufwendungen für die drei Pflegestufen. Die zweite Tabelle gibt eine Übersicht über die Leistungen ab 2017.

Pflegeleistungen 2015/2016

Pflegestufe I II III
Erstattung häusliche Pflege 468 1.144 1.612
Erstattung teilstationäre Pflege 468 1.144 1.612
Erstattung vollstationäre Pflege 1.064 1.330 1.612

Pflegeleistungen 2017/2018

Pflegegrad I II III IV V
Erstattung häusliche Pflege 125 689 1.298 1.612 1.995
Erstattung teilstationäre Pflege 689 1.298 1.612 1.995
Erstattung vollstationäre Pflege 770 1.262 1.175 2.005

Pflegelücke

Die im Rechenergebnis aufge­führten Beträge fehlen Ihnen monat­lich im Falle einer Pflege­bedürf­tigkeit. Dieses Risiko könnten Sie z.B. mit einem Pflege­tage­geld decken. Denn die Pflege­versicherung ist, wie schon gesagt, von Beginn an nicht als Voll­versicherung konzipiert worden, sondern dient eben nur dazu, lediglich Teile der Kosten im Zusammen­hang mit der Pflege­bedürf­tigkeit zu über­nehmen.


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