Gleitzonenrechner 2017 zur Ermittlung der Sozialabgaben bei Midijobs

Sobald das regelmäßige monatliches Arbeitsentgelt die Grenze für Minijobs, also 450 Euro übersteigt, werden auch für den Arbeitnehmer Beiträge zur Sozialversicherung fällig. Bei Midijobs, also bei Beschäftigungen mit Arbeitsentgelten in der Gleitzone von 450,01 bis 850 Euro werden die Sozialabgaben von ansonsten rund 20 Prozent abgemildert. Dies dient dazu, den Wechsel von einem versicherungsfreien Minijob zu einer versicherungspflichtigen Beschäftigung attraktiver zu machen. Eine spezielle Formel sorgt dafür, dass eine relativ starke Reduzierung der Beiträge im unteren Gleitzonenbereich erfolgt, während sich die Beiträge im oberen Bereich den allgemeinen Beitragssätzen zunehmend anpassen. Prüfen Sie mit dem Gleitzonenrechner, ob Ihre Beschäftigung in der Gleitzone liegt, und wie sich die Beitragsreduzierung bei den einzelnen Zweigen der Sozialversicherung auswirken.

Allgemeines

Für den Niedriglohnbereich gibt es seit 2003 eine sogenannte Gleitzonenregelung. Demnach sind Beschäftigungen mit einem Monatsbrutto, das an die versicherungsfreie 450-Euro-Grenze für Minijobs angrenzt, zwar versicherungspflichtig, der Arbeitnehmer hat aber nur einen reduzierten Beitragsanteil am Sozialversicherungsbeitrag zu zahlen. Die Arbeitgeberanteil ist hingegen in voller Höhe zu berechnen. Ziel der Gleitzone ist die Beseitigung der sogenannten Niedriglohnschwelle. Diese würde in Beschäftigungsverhältnissen bei Überschreiten der Geringfügigkeitsgrenze zu einem plötzlichen Anstieg der Beitragsbelastung auf den vollen Sozialversicherungsbeitrag von rund 20 Prozent führen. Ein Beschäftigungsverhältnis in der Gleitzone liegt vor, wenn das daraus erzielte Arbeitsentgelt 450,01 Euro bis 850,00 Euro monatlich beträgt und die Grenze von 850,00 Euro regelmäßig nicht überschreitet.

Wann liegt das Monatsbrutto in der Gleitzone?

Bei der Prüfung der Frage, ob der Arbeitslohn in der Gleitzone liegt, ist vom regelmäßigen Arbeitsentgelt auszugehen. Zu Beginn der Beschäftigung und erneut bei jeder dauerhaften Veränderung (z.B. bei Erhöhung oder Reduzierung des Arbeitsentgelts) muss beurteilt werden, ob die Gleitzonengrenzen regelmäßig im Monat oder nur gelegentlich unter- oder überschritten werden. Dabei müssen auch Einmalzahlungen, wie z.B. Weihnachtsgeld berücksichtigt werden. Grundsätzlich sind solche Einmalzahlungen durch 12 zu teilen und dem monatlichen Brutto hinzuzurechnen. Beträgt die Dauer der Beschäftigung aber z.B. nur 6 Monate, sind Einmalzahlungen entsprechend durch 6 zu teilen und wiederum dem monatlichen Brutto hinzuzurechnen. Berücksichtigen Sie die Verteilung solcher Einmalzahlungen bei der Eingabe im Gleitzonenrechner bitte selbst.

Beispiel bei einer mindestens zwölfmonatigen Beschäftigung
Monatliches Arbeitsentgelt 700 Euro
Einmalzahlung im Dezember 600 Euro
Regelmäßiges monatliches Entgelt ((700 × 12 + 600) / 12) 750 Euro
Das regelmäßige Arbeitsentgelt beträgt voraussichtlich 750 Euro und liegt damit in der Gleitzone.
Beispiel bei einer sechmonatigen Beschäftigung
Monatliches Arbeitsentgelt 800 Euro
Einmalzahlung im Dezember 600 Euro
Regelmäßiges monatliches Entgelt ((800 × 6 + 600) / 6) 900 Euro
Das regelmäßige Arbeitsentgelt beträgt voraussichtlich 900 Euro und liegt damit nicht in der Gleitzone.

Beitragspflichtige Einnahme (Gleitzonenentgelt)

Für die Berechnung der reduzierten Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer in Midijobs wird anstelle des Monatsbruttos eine geringere Bemessungsgrenze, das sogenannte Gleitzonenentgelt ermittelt. Mit Hilfe einer Formel wird das sogenannte Gleitzonenentgelt bestimmt, welches unterhalb des Monatsbruttos liegt. Dann wird der Gesamtbeitrag zur Sozialversicherung (also von Arbeitnehmer und Arbeitgeber zusammen) anhand der allgemeinen Beitragssätze prozentual vom Gleitzonenentgelt berechnet. Zieht man davon den sich weiterhin am gesamten Monatsbrutto orientierenden Beitragsanteil des Arbeitgebers ab, so erhält man den letztlich niedrigeren Arbeitnehmeranteil. Die Beitragssätze des Arbeitgebers orientieren sich weiterhin am Monatsbrutto.

Formel für Gleitzonenentgelt, wobei F = 0,7509 (2017)
Gleitzonenentgelt = F × 450 + (2,125 − 1,125 × F) × (Monatsbrutto − 450)

Der Faktor F wird vom Bundesministerium für Gesundheit und vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ermittelt. Er beträgt 30% geteilt durch den durchschnittlichen Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz. Für 2017 gilt F = 30% / 39,75%.
(39,95 % = 14,6 % Krankenversicherung + 1,1 % KV-Zusatzbeitrag + 2,55 % Pflegeversicherung + 18,7 % Rentenversicherung + 3,0 % Arbeitslosenversicherung).

Berechnung Arbeitnehmeranteil anhand Gleitzonenentgelt
Gesamtbeitrag =Gleitzonenentgelt × Gesamtbeitragssatz
Arbeitgeberanteil =Monatsbrutto × Beitragssatz (Arbeitgeber)
Arbeitnehmeranteil =Gesamtbeitrag − Arbeitgeberanteil

So rechnet der Gleitzonenrechner - Ein Berechnungsbeispiel

Beispiel für Arbeitnehmer in Midijob mit Kind in NRW
Allgemeine Beitragssätze
KV 14,6%, Zusatzbeitrag KV 1,1%, PV 2,55%, RV 18,7%, AloV 3,0%
Regelmäßiges monatliches Entgelt 600,00 Euro
Gleitzonenentgelt gemäß obiger Formel 529,94 Euro
Krankenversicherung  
Gesamtbeitrag (529,94×7,3%×2) 77,38
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00×7,3%) 43,80
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 33,58
Arbeitnehmer-Zusatzbeitrag (529,94×1,1%) 5,83
Pflegeversicherung  
Gesamtbeitrag (529,94×1,275%×2) 13,52
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00×1,275%) 7,65
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 5,87
Rentenversicherung  
Gesamtbeitrag (529,94×9,35%×2) 99,10
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00×9,35%) 56,10
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 43,00
Arbeitslosenversicherung  
Gesamtbeitrag (529,94×1,5%×2) 15,90
abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil (600,00×1,5%) 9,00
= Arbeitnehmerbeitragsanteil (Gesamtbeitrag abzgl. Arbeitgeberbeitragsanteil) 6,90

Mehrere Jobs mit einem Arbeitsentgelt in der Gleitzone

Grundsätzlich gilt die Gleitzonenregelung, wenn das insgesamt erzielte Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone liegt. Das Gleitzonenentgelt, an dem sich die Beitragsberechung für den Beschäftigten orientiert, wird zunächst anteilig für jede Beschäftigung einzeln ermittelt. Dann wird für jede Beschäftigung anhand deren Gleitzonenentgelt die Beitragsberechunng für jeden Zweig der Sozialversicherung durchgeführt.

Folgendes ist bei der Addition der Arbeitslöhne zu beachten

Wenn die erste Beschäftigung über 450 Euro liegt, ist die zweite Beschäftigung (bis 450 Euro) versicherungsfrei. Deren Arbeitsentgelt ist also nicht zu addieren. Jede weitere Beschäftigung (bis 450 Euro) ist wieder versicherungspflichtig und hier hinzuzuaddieren. Anders ausgedrückt: Sofern die erste Beschäftigung ein Midijob ist, ist ein Minijob versicherungsfrei. Jeder weitere Minijob, der zeitlich danach aufgenommen wurde, ist versicherungspflichtig und dessen Lohn zu berücksichtigen. Falls die erste Beschäftigung jedoch ein Minijob ist, werden alle Minijob-Löhne, also auch der des zweiten Minijobs addiert.

Beispiel-Berechnung

Frau Schmitz übt einen Midijob mit einem monatlichen Entgelt von 550 Euro aus. Zudem ist sie in zwei Minijobs tätig, bei denen sie jeweils 200 Euro verdient. Der erste Minijob bleibt für Frau Schmitz sozialversicherungsfrei, der zweite unterliegt hingegen der Beitragspflicht. Somit hat Frau Schmitz ein insgesamt erzieltes Arbeitsentgelt von 550 + 200 = 750 Euro und liegt damit in der Gleitzone. Nun wird einzeln zu jedem der beiden Entgelte das Gleitzonenentgelt wie folgt berechnet:

  • Das Gleitzonenentgelt zum Entgelt von 550 Euro wird ermittelt, indem das Gleitzonenentgeld zu den gesamten 750 Euro multipliziert wird mit 550/750. Das Ergebnis ist 529,45 Euro.
  • Das Gleitzonenentgelt zum Entgeld von 200 Euro wird ermittelt, indem das Gleitzonenentgeld zu den gesamten 750 Euro multipliziert wird mit 200/750. Das Ergebnis ist 192,53 Euro.

Dann werden für jeden der beiden Gleitzonenentgelte analog zur Tabelle unter "So rechnet der Gleitzonenrechner - Ein Berechnungsbeispiel" die Sozialabgaben berechnet. Der Gleitzonenrechner gibt hierzu für jeden Sozialversicherungszweig direkt die Summe aus beiden Jobs aus.

Teilmonate - Berechnung im Gleitzonenrechner

Falls nicht für einen vollen Kalendermonat Arbeitslohn erzielt wird, also im Falle eines Teilmonats wird der Arbeitslohn auf den vollen Monat hochgerechnet. Liegt dieser monatliche Betrag innerhalb der Gleitzone von 450,01 bis 850,00 Euro, werden die besonderen Regelungen zur Gleitzone angewendet und ein anteiliges Gleitzonenentgelt berechnet. Gründe für den Bezug von Teilarbeitsentgelt sind z.B. der Ablauf der Lohnfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit oder bei Beginn bzw. Ende der Beschäftigung im Laufe eines Kalendermonats.

Beispiel: Liegt Entgelt aus Teilmonat in Gleitzone?
Arbeitsentgelt im Dezember für 2 Tage 80 Euro
Hochgerechnetes Entgelt Dezember 80 × 30 / 2 1200 Euro
Das Arbeitsentgelt im Dezember beträgt voraussichtlich 1200 Euro und liegt damit nicht in der Gleitzone.

Beispiel-Berechnung

Herr Schulz hat für die ersten beiden Tage im Dezember ein Arbeitsentgelt in Höhe von 40 Euro erhalten und danach die Beschäftigung beendet. Somit hat er auf den Monat hochgerechnet ein Arbeitentgelt in Höhe von 40 × 30 / 2 = 600 Euro erzielt. Das auf den Monat hochgerechnete Gleitzonenentgelt beträgt dann gemäß Formel 529,94 Euro. Diese beitragspflichtige Einnahme ist nun wieder auf 2 Tage herunterzurechnen, so dass das anteilige Gleitzonenentgelt 529,94 × 2 / 30 = 35,33 Euro beträgt. Dann werden wiederum analog zur Tabelle unter "So rechnet der Gleitzonenrechner - Ein Berechnungsbeispiel" die Sozialversicherungsbeiträge ausgehend von einem Entgelt von 40 Euro und einem Gleitzonenentgelt in Höhe von 35,40 Euro berechnet.

Verzicht auf die Gleizonenanwenung für die Rentenversicherung

Um eine spätere Rentenminderung zu vermeiden, können Beschäftigte für den Part der Rentenversicherung auf die Beitragsreduzierung in der Gleitzone verzichten. Hierzu muss der Arbeitnehmer gegenüber dem Arbeitgeber schriftlich erklären, dass der tatsächliche Arbeitslohn, statt des geringeren Gleitzonenentgelts für die Beitragsberechnung zur Rentenversicherung zugrunde gelegt werden soll. Diese Möglichkeit, auf die Anwendung der Gleitzonenregelung zu verzichten, ist für die Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung nicht vorgesehen.

Besonderheiten bei der Pflegeversicherung

Die Höhe des Beitrags zur Pflegeversicherung ist grundsätzlich davon abhängig, ob man kinderlos ist oder in Sachsen beschäftigt ist. Abhängig davon ist ein höherer Beitragssatz für die Pflegeversicherung zu entrichten.


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