Scheidungskosten berechnen mit dem Scheidungskosten-Rechner

Der Scheidungskosten-Rechner berechnet sowohl die Anwaltskosten als auch die Gerichtkosten, mit denen Sie bei einem Scheidungsprozess rechnen müssen. Neben den Einkommensverhältnissen spielt auch das Vermögen der Ehegatten eine Rolle für die Höhe des sogenannten Verfahrenswerts. Aus dem Verfahrenswert berechnen sich für die Scheidung die Anwaltskosten gemäß Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sowie die Gerichtskosten gemäß dem Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG). Der Scheidungskosten-Rechner berücksichtigt ebenso, ob ein Versorgungsausgleich im Zuge des Scheidungsprozesses durchgeführt werden soll. Zudem werden die Anwaltskosten und damit die gesamten Scheidungskosten wahlweise für einvernehmliche oder strittige Scheidungsverfahren berechnet. Die Infobuttons im Ergebnisfenster leiten sämtliche Berechnungen detailliert und nachvollziehbar her.

Beispielberechnung

Eingabehilfe zum Scheidungskosten-Rechner

Der Scheidungskosten-Rechner berechnet sowohl die Anwalts- als auch die Gerichtskosten, aus denen sich die Scheidungskosten zusammen setzen. Dabei wird zunächst der Verfahrenswert bestimmt, der als Berechnungsgrundlage für die zu berechnenden Kosten dient. Basis für die Kostenberechnung ist das Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sowie das Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG).

Monatliches Nettoeinkommen der beiden Ehegatten

Geben Sie bitte ihr monatliches Nettoeinkommen an. Das Einkommen erhöht den Verfahrenswert. Er ist die Berechnungsgrundlage für die Anwalts- und Gerichtskosten, aus welchen sich die Scheidungskosten zusammensetzen. Kindergeld und Kindergeldzuschüsse sowie Unterhaltsgeld werden weit überwiegend durch die Familiengerichte als Einkommen angesehen. Nicht als Einkommen angesehen werden Sozialhilfeleistungen, denen keine Lohnersatzfunktion zukommt, und das Erziehungsgeld.

Nettovermögen beider Ehegatten

Geben Sie bitte das Nettovermögen beider Ehegatten an. Um das Nettovermögen zu bestimmen, ziehen Sie bitte ggf. vorhandene Schulden vom Vermögen ab. Das Vermögen erhöht den Verfahrenswert. Er ist die Berechnungsgrundlage für die Anwalts- und Gerichtskosten, aus welchen sich die Scheidungskosten zusammensetzen.

Anzahl unterhaltsberechtigter Kinder

Geben Sie bitte die Anzahl der unterhaltsberechtigten Kinder, die Sie und/oder Ihre Frau haben. Die Anzahl der Kinder mindert den Verfahrenswert.

Versorgungsausgleich

Geben Sie bitte an, ob ein Versorgungsausgleich durchgeführt werden soll oder ob dieser ausgeschlossen ist. Der Versorgungsausgleich ist der bei einer Scheidung stattfindende Ausgleich aller während der Ehe von den Ehegatten erworbenen Anrechte auf eine Versorgung wegen Alters oder verminderter Erwerbsfähigkeit. Er wird vom Familiengericht im Rahmen des Scheidungsprozesses durchgeführt. Sind sich die Ehegatten vor dem Scheidungsverfahren einig, können sie den Versorgungsausgleich -am besten notariell- ausschließen, so dass jeder seine eigenen Anrechte behält.

Anzahl der Versorgungen

Geben Sie bitte die Anzahl der Versorgungen (Rentenansprüche) beider Ehepartner an. Dazu zählen insbesondere die

  • gesetzliche Rentenversicherung,
  • Beamtenversorgung,
  • betriebliche Altersversorgung einschließlich der Zusatzversorgungen des öffentlichen Dienstes,
  • berufsständische Altersversorgungen (beispielsweise Ärzte-, Apotheker-, Architekten-, Rechtsanwaltsversorgungen),
  • private Lebensversicherungen (nur Rente, § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG).

Die Anzahl der Versorgungen erhöht den Verfahrenswert.

Beispiele für die Eingabe der Anzahl von Versorgungen

Haben z.B. beide Ehegatten jeweils nur Anrechte in der gesetzlichen Rentenversicherung, geben Sie eine 2 ein. Hat einer der Ehegatten auch Anrechte aus einer betrieblichen Altersvorsorge, geben Sie bitte eine 3 ein. Wurde zudem bei beiden Ehegatten je eine Riesterrente abgschlossen, geben Sie bitte eine 5 ein.

Scheidungsverfahren einvernehmlich

Geben Sie bitte an, ob das Scheidungsverfahren einvernehmlich zwischen beiden Ehegatten durchgeführt werden soll. Davon abhängig ist es, ob die Anwaltskosten für einen oder für zwei Anwälte berechnet werden. Grundsätzlich muss bei Scheidungsverfahren mindestens ein Anwalt hinzugezogen werden.

Ein Anwalt reicht z.B. aus, wenn

  • ein Rechtsanwalt nur für den Antragsteller tätig ist und der andere Ehepartner auf eigene Anträge verzichtet
  • nur die Ehe geschieden werden soll und auf weitere sog. Scheidungsfolgesachen wie z.B. die Regelung des Zugewinnausgleichs verzichtet wird

Beide Seiten sollten anwaltlich vertreten sein, wenn

  • es Streit um einen oder mehrere Bereiche gibt, die bei einer Scheidung üblicherweise auch geregelt werden können (z.B. Sorgerecht, Unterhalt, Zugewinn o.ä.)
  • beide Ehepartner gerichtliche Anträge stellen wollen
  • wenn auch nur der Verdacht aufkommt, dass eine Seite vom anderen Ehepartner übervorteilt werden soll

Beispiel für die Berechnung der Scheidungskosten

Herr und Frau Müller trennen sich und möchten sich scheiden lassen

  • Herr Müller hat ein monatliches Nettoeinkommen von 3.000 Euro.
  • Frau Müller bezieht 1.500 Euro netto.
  • Als Vermögen können sie ihr gemeinsames Haus im Wert von 300.000 € sowie Bankguthaben von rund 100.000 € aufweisen.
  • Ihre beiden Kinder sind 15 und 17 Jahre alt und besuchen noch die Schule.
  • Im Rahmen der Scheidung möchten sie einen Versorgungsausgleich durchführen, also einen Ausgleich aller während der Ehezeit von beiden erworbenen Rentenansprüche. Herr und Frau Müller haben je eine gesetzliche Rentenversicherung. Herr Müller hat darüber hinaus eine private Rentenversicherung abgeschlosssen. Demnach haben die beiden insgesamt drei Versorgunenen bzw. Anrechte.
  • Das Scheidungsverfahen möchten Herr und Frau Müller einvernehmlich, also auch nur mit einem Anwalt durchführen.

1. Berechnung Verfahrenswert Ehesache

Der Verfahrenswert für die Ehesache, also für die Scheidung, wird unter Berücksichtigung der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Ehegatten bestimmt. Für die Einkommensverhältnisse ist das in drei Monaten erzielte Nettoeinkommen der Ehegatten abzgl. der Freibeträge für jedes Kind von 250 € einzusetzen (§43 FamGKG). Der Verfahrenswert für die Ehesache darf nicht unter 3.000 € und nicht über 1.000.000 € angenommen werden.

1.1 Verfahrenswert aus Einkommen

Das Nettoeinkommen beider Ehegatten zusammen beträgt

Einkommensverhältnisse
Eigenes Einkommen3.000,00 €
+ Einkommen Ehegatte1.500,00 €
= Einkommen gemeinsam4.500,00 €

Verfahrenswert aus Einkommen

Freibetrag je Kind

Je Kind können davon 250 € also insgesamt 2 * 250 = 500 € als Freibetrag abgezogen werden.

Verfahrenswert = Einkommen für drei Monate

Das verbleibende gemeinsame Nettoeinkommen von 4.000,00 € wird verdreifacht, so dass der Verfahrenswert für Einkommensverhältnisse 12.000,00 € beträgt.

1.2 Verfahrenswert aus Vermögen

Das Vermögen abzüglich der in diesem Rechner verwendeten Freibeträge von 30.000 € je Ehegatte wird zu 5% angerechnet.

Vermögensverhältnisse
Vermögen400.000,00 €
− Freibeträge60.000,00 €
=340.000,00 €
Verfahrenswert aus Vermögen

5% vom Verfahrenswert für Vermögensverhältnisse, also 17.000 €

1.3 Verfahrenswert Ehesache

Der Verfahrenswert für die Ehesache, also rein für die Scheidung ohne Berücksichtigung des Versorgungsausgleichs beträgt demnach

Verfahrenswert Ehesache
Verfahrenswert aus Einkommen12.000,00 €
+ Verfahrenswert aus Vermögen17.000,00 €
=29.000,00 €

2. Berechnung Verfahrenswert Versorgungsausgleich

Der Verfahrenswert für den Versorgungsausgleich beträgt für jedes Anrecht 10% des in drei Monaten erzielten Nettoeinkommens der Ehegatten (§50 FamGKG) abzüglich der Freibeträge für jedes Kind. Der Verfahrenswert für den Versorgungsausgleich darf nicht unter 1.000 € angenommen werden.

Dreifaches Nettoeinkommen abzgl. Kinderfreibeträge

Das dreifache gemeinsame Nettoeinkommen von den Müllers abzüglich monatlich 250 € für jedes der beiden Kinder beträgt 12.000,00 €.

Verfahrenswert je Versorgung

10% vom dreifachen Einkommen abzgl. Kinderfreibeträge, also 1.200 €

Verfahrenswert Versorgungsausgleich

Familie Müller hat drei Versorgungen ⇒ 3 * 1.200 € = 3.600 €


3. Berechnung Verfahrenswert gesamt

Dies ist die Summe der beiden Verfahrenswerte. Hieraus berechnen sich für Scheidung und Versorgungsausgleich zusammen die Anwaltskosten gemäß Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sowie die Gerichtskosten gemäß dem Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG).

Verfahrenswert gesamt
Verfahrenswert aus Ehesache29.000,00 €
+ Verfahrenswert aus Versorgungsausgleich3.600,00 €
=32.600,00 €

4. Berechnung der Anwaltskosten

Die Summe der Anwaltskosten berechnet sich gemäß Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) wie folgt:

Anwaltskosten
Verfahrensgebühr1.219,40 €
+ Terminsgebühr1.025,60 €
+ Auslagenpauschale20,00 €
+ MwSt.449,35 €
=2.814,35 €

Gebührensätze gemäß RVG

Grundsätzlich wird für Anwaltskosten abhängig vom Verfahrenswert ein einfacher Gebührensatz gemäß Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) festgesetzt. Die einzelnen Gebührensätze für verschiedene Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Scheidung sind dann Vielfache dieser 1,0-Gebühr, wie im folgenden erläutert wird.

Verfahrensgebühr für das Scheidungsverfahren

Diese Gebühr entsteht für die Vertretung des/der Mandanten vor dem Familiengericht, u.a. zur Vorbereitung des Scheidungsverfahrens und dem Einreichen der Scheidung

Berechnung der Verfahrensgebühr

Die Verfahrens­gebühr beträgt bei der Scheidung grundsätzlich 1,3 Gebühren­sätze. Eine 1,0-Gebühr bei einem Verfahrenswert von 32.600,00 € beträgt 938,00 € (§13 RVG). Somit ergibt sich die Verfahrens­gebühr wie folgt: 1,3 × 938,00 = 1.219,40 €.


Terminsgebühr für das Scheidungsverfahren

Die Terminsgebühr entsteht sowohl für die Wahrnehmung des gerichtlichen Scheidungstermins als auch für die Wahrnehmung von außergerichtlichen Terminen und Besprechungen.

Berechnung der Terminsgebühr

Die Terminsgebühr beträgt bei der Scheidung grundsätzlich 1,2 Gebühren­sätze. Eine 1,0-Gebühr bei einem Verfahrenswert von 32.600,00 € beträgt 938,00 € (§13 RVG). Die Termins­gebühr berechnet sich daher wie folgt: 1,2 × 938,00 = 1.125,60 €.


Auslagenpauschale

Die Pauschale für Post- und Tele­kommu­ni­ka­tions­dienst­leis­tun­gen gemäß RVG beträgt 20% der Anwaltskosten, maximal jedoch 20 €.

5. Berechnung der Gerichstkosten

Im Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) ist abhängig vom Verfahrenswert ein einfacher Gebührensatz festgesetzt.

Berechnung der Gerichtskosten

Die Gerichtskosten betragen gem. FamGKG beim Scheidungsverfahren grundsätzlich 2,0 Gebühren­sätze. Die 1,0-Gebühr bei einem Verfahrenswert von 32.600,00 € beträgt 441,00 € (§28 FamGKG). Die Gerichtskosten berechnen sich daher wie folgt: 2,0 × 441,00 = 882,00 €. Sie unterliegen nicht der Umsatzsteuer bzw. MwSt.


6. Berechnung der Scheidungskosten

Die Scheidungskosten bilden die Summe aller Anwalts- und Gerichtskosten. Mit diesem Betrag müssen Herr und Frau Müller also für ihren Scheidungsprozess rechnen.

Scheidungskosten
Anwaltskosten2.814,35 €
+ Gerichtskosten882,00 €
=3.696,35 €

Zu beachten ist jedoch, dass sich gemäß § 43 FamGKG die Höhe des Verfahrenswerts aber nicht ausschließlich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen bemisst. Ebenso die Umstände des Einzelfalls, insbesondere der Umfang und die Bedeutung der Sache sind nach Ermessen für die Berechnung des Verfahrenswerts relevant.


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Recht