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Progressionsvorbehalt für Kurzarbeitergeld und andere Entgelt­ersatz­leistungen berechnen

Der Progressionsvorbehalt-Rechner berechnet die Steuermehrbelastung, die sich aufgrund erhaltenener Lohnersatzleistungen mit Progressionsvorbehalt wie z.B. Kurzarbeitergeld, Elterngeld oder Krankengeld ergeben. Für diese selbst steuerfreien Zahlungen berechnet der Progressionsvorbehalt-Rechner die Erhöhung der Einkommensteuer und damit auch des Soli sowie der Kirchensteuer.

Beispiel zur Berechnung der Steuer bei Leistungen unter Progressions­vorbehalt (hier Kurzarbeitergeld)

Allgemeines zur Berechnung des Progressionsvorbehalts

In Deutschland unterliegen hauptsächlich Lohnersatzleistungen (Entgeltersatzleistungen), wie die folgenden dem Progressionsvorbehalt:

Einkünfte, die dem Progressionsvorbehalt unterliegen, sind zwar selber steuerfrei, sie erhöhen aber letztlich die steuerliche Belastung. Denn Sie werden zur Berechnung der Einkommensteuer zunächst fiktiv zu den zu versteuernden Einkünften hinzu gerechnet. Aufgrund der steuerlichen Progression, also dem Ansteigen des Steuersatzes bei steigendem Einkommen, ergibt sich damit ein höherer Steuersatz. Die Einkomensteuer wird schließlich anhand dieses erhöhten Steuersatzes vom eigentlich zu versteuernden Einkommen berechnet.

Eingabehilfen zum Progressionsvorbehalt-Rechner 2020

Steuerjahr

Wählen Sie bitte das Steuerjahr aus, für das Sie die steuerlichen Auswirkungen von Kurzarbeitergeld, steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld (01.03.-31.12.20), Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Insolvenzgeld, nicht jedoch "Hartz-IV-Bezüge", also von bezogenen Leistungen mit Progressions­vorbehalt (Entgeltersatz­leistungen) berechnen möchten.

Leistungen mit Progressions­vorbehalt

Geben Sie bitte die Höhe der im Steuerjahr bezogenenen Leistungen mit Progressions­­vorbehalt, also Entgeltersatzleistungen wie Kurzarbeitergeld, steuerfreie Arbeitgeberzuschüsse zum Kurzarbeitergeld (01.03.-31.12.20), Arbeitslosengeld, Krankengeld, Mutterschaftsgeld, Elterngeld, Insolvenzgeld, nicht jedoch "Hartz-IV-Bezüge" an. Falls Sie Ehegattensplitting mit "ja" beantworten, geben Sie bitte auch die entsprechenden Einkünfte des Partners an. Entgeltersatzleistungen bleiben bei der Ermittlung des jährlichen Einkommens unberücksichtigt, sind also steuerfrei. Jedoch unterliegen sie dem Progressionsvorbehalt.

Infos zum Progressions­vorbehalt

Obwohl Entgeltersatzleistungen nicht der Steuerpflicht unterliegen, werden sie für die Steuerberechnung berücksichtigt. Sie werden zunächst zum "Zu versteuernden Einkommen" (zvE) addiert, um anhand dieses erhöhten Betrags den persönlichen Steuersatz zu ermitteln. Schließlich wird das ursprüngliche zvE (ohne Entgeltersatzleistungen) zu diesem erhöhten Steuersatz versteuert.

Jahresbrutto (zu versteuerndes Einkommen)

Geben Sie bitte Ihr zu versteuerndes Jahreseinkommen ohne Leistungen mit Progressionsvorbehalt, also ohne Entgelt­ersatz­leistungen ein. Grob ist dies die Summe aller Einkünfte abzüglich aller persönlicher Freibeträge (auch Kinderfreibeträge), Sonderausgaben und außergewöhnlicher Belastungen. Außerordentliche Einkünfte, wie z.B. Abfindungen werden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Falls Sie Ehegattensplitting mit "ja" beantworten, geben Sie bitte auch die entsprechenden Einkünfte des Partners an. Die Grundlage für die Ermittlung der persönlichen Einkommensteuer bildet das zu versteuernde Einkommen (zvE), das Sie auch Ihrem Steuerbescheid entnehmen können. Werden Sie als Ehepaar zusammen veranlagt, so geben Sie hier bitte die Summe Ihrer Einnahmen an. Ausgangspunkt ist dabei stets der Bruttobetrag – also ohne Abzug von Steuern und Sozialausgaben. Davon dürfen alle Ausgaben, die für die Erzielung der Einkünfte notwendig waren, vorab abgezogen werden. Bei angestellten Arbeitnehmern sind das die Werbungskosten. Selbstständige oder Gewerbetreibende ermitteln ihren Gewinn durch eine Einnahme-Überschussrechnung oder durch die Bilanzierung ihres Unternehmens.

Kirchensteuer

Wählen Sie bitte den Kirchensteuersatz aus. Der Kirchensteuersatz beträgt derzeit in Bayern und Baden-Württemberg 8 Prozent und in den übrigen Bundesländern 9 Prozent der Einkommensteuer.

Ehegattensplitting

Wählen Sie bitte aus, ob der Splittingtarif oder der Grundtarif angewendet werden soll. Der Splittingtarif wird bei zusammenveranlagten Ehepaaren angewendet. Der Grundtarif gilt für Unverheiratete und getrenntveranlagte Ehepaare. Falls Sie Ehegattensplitting mit "ja" beantworten, geben Sie bitte auch die entsprechenden Einkünfte des Partners an.

Beispiel zur Berechnung der Steuer bei Progressions­vorbehalt

In Frau Kerns Betrieb wurde 2020 für insgesamt sechs Monate Kurzarbeit eingeführt. Rund 60 Prozent ihrer Nettoeinbußen wurden durch Kurzarbeitergeld von der Arbeitsagentur aufgefangen. Insgesamt hat Frau Kern 12.000 Euro Kurzarbeiter­geld erhalten.

Jedoch muss Frau Kern diese Leistungen in ihrer Ein­kommensteuer­erklärung angeben. Denn ihr Kurzarbeiter­geld ist als Entgelt­ersatz­leistung bzw. Lohnersatz­leistung, genauso wie z.B. Mutterschaftsgeld und Elterngeld zwar grundsätzlich steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressions­vorbehalt.

Wie sich dies auf Frau Kerns persönliche Einkommen­steuer für 2020 auswirkt, möchte sie nun berechnen.

Folgende für die Berechnung des Progressions­vorbehalts relevante Punke gelten für Frau Kern:

  • Frau Kerns Gesamteinkommen in 2020 ohne das Kurzarbeiter­geld wird nach Abzug aller persönlichen Freibeträge rund 36.000 Euro betragen.
  • Frau Kern ist kirchensteuerpflichtig. Sie hat einen Kirchensteuer­satz von 9 Prozent.
  • Sie lebt allein, gibt somit kein Ehegattensplitting an. Daher wird der Grundtarif der Einkommensteuer angewendet.

1. Berechnung der Gesamtsteuer ohne Kurzarbeitergeld

Die Berechnung der Gesamtsteuer für Frau Kerns zu versteuerndes Einkommen ohne die Leistungen mit Progressions­vorbehalt über 36.000 Euro ergibt folgendes Ergebnis.

  • Gemäß Grundtarif beträgt 2020 Frau Kerns Einkommensteuer (ESt) 19,7083 Prozent ihres zu versteuernden Einkommens über 36.000 Euro, also 7.095 Euro
  • Der Soli berechnet sich anhand der ESt und beträgt für Frau Kern 390,23 Euro.
  • Die Kirchensteuer (KiSt) bei Frau Kern beträgt 9 Prozent der ESt-Last, also 638,55 Euro.

Ohne Kurzarbeitergeld hätte Frau Kern eine Gesamtsteuerlast von 8.123,78 Euro.

2. Berechnung des Einkommensteuersatzes mit Kurzarbeitergeld

Das Kurzarbeitergeld von Frau Kern ist als Entgeltersatzleistung grundsätzlich steuerfrei, unterliegt jedoch dem Progressions­vorbehalt. Denn zur Bestimmung des Steuersatzes für das Jahresbrutto wird Das Kurzarbeitergeld fiktiv addiert. Der durch die Wirkung der Progression erhöhte Steuersatz wird dann auf das Jahresbrutto ohne das Kurzarbeitergeld angewandt.

  • Frau Kerns fiktive Einkommensteuer von 36.000 Euro zzgl. 12.000 Euro = 48.000 Euro beträgt 11.369 Euro (Grundtarif).
  • 11.369 Euro sind 23,6854 Prozent von 48.000 Euro.

Frau Kerns neuer Steuersatz zur Einkommensteuer beträgt 23,6854 Prozent.

3. Berechnung der neuen Einkommensteuer

Der neue Einkommensteuersatz über 23,6854 Prozent ist nun auf Frau Kerns zu versteuerndes Einkommen ohne das Kurzarbeitergeld, also auf 36.000 Euro anzuwenden.

Frau Kerns Einkommensteuer unter dem erhöhten Steuersatz beträgt 8.526 Euro.

4. Berechnung der neuen Gesamtsteuer

Die Berechnung der Gesamtsteuer für Frau Kerns zu versteuerndes Einkommen über 36.000 Euro unter Berücksichtigung der Leistungen mit Progressions­vorbehalt über 12.000 Euro ergibt folgendes Ergebnis.

  • Gemäß Grundtarif beträgt 2020 Frau Kerns Einkommensteuer (ESt) 23,6854 Prozent von 36.000 Euro, also 8.526 Euro.
  • Der Soli berechnet sich anhand der ESt und beträgt für Frau Kern 468,93 Euro.
  • Die Kirchensteuer (KiSt) bei Frau Kern beträgt 9 Prozent der ESt-Last, also 767,34 Euro.

Unter Berücksichtigung Ihres Kurzarbeitergeldes hat Frau Kern eine Gesamtsteuerlast von 9.762,27 Euro.

5. Berechnung der Steuermehrbelastung aufgrund des Kurzarbeitergeldes

Ohne Frau Kerns Lohnersatzleistunbg in Form des Kurzarbeitergeldes hätte Sie eine steuerliche Belastung in Höhe von 8.526 Euro gehabt. Unter Berücksichtigung des Kurzarbeitergeldes hat Frau Kern eine Gesamtsteuerlast von 9.762,27 Euro. Die Differenz beider Beträge entspricht Ihrer Mehrbelastung aufgrund der erhaltenen Leistungen unter Progressionsvorbehalt

Frau Kerns steuerliche Mehrbelastung beträgt 1.638,49 Euro.

6. Berechnung des "Steuersatz" auf Frau Kerns Kurzarbeitergeld

Frau Kerns eigentlich steuerfreie Einkünfte über 12.000 Euro werden aufgrund der mit ihnen verbundenen erhöhten Steuer­mehr­belastung über 1.638,49 Euro indirekt besteuert. Denn 1.638,49 Euro sind 13,6541 Prozent von 12.000 Euro.

Frau Kerns "Steuersatz" auf steuerfreie Leistungen mit Progressions­vorbehalt beträgt 13,6541 Prozent.

Fragen unserer Nutzer & Antworten der Redaktion

  • KUG und Progressionsvorbehalt

    Unser Nutzer ur....t.de hatte am 29.06.2020 folgende Frage:
    Sehr geehrte Damen und Herren,
    bei der Berechnung der steuerlichen Mehrbelastung beim KUG aufgrund des Progressionsvorbehalts liegt meine Einkommensteuer höher als die Summe der Lohnsteuer (siehe beigefügte Tabelle). Möglicherweise habe ich etwas übersehen.
    Mit freundlichen Grüßen
    J. F.
    Antwort der Smart-Rechner-Redaktion vom 29.06.2020:
    Sehr geehrte Frau F.,
    vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich habe zwei Ideen, was Sie übersehen haben könnten.
    Die Lohnsteuer ist ja eine Vorabsteuer, deren Höhe u.a. von Ihrer Lohnsteuerklasse abhängt. Die Einkommensteuer ist dann die Steuer auf alle Ihre Einkommen (also z.B. auch Kapitaleinkünfte oder Mieteinnahmen). Wenn Sie eine „günstige" Steuerklasse gewählt haben, so wird eher weniger Lohnsteuer abgezogen. Umgekehrt wird bei einer „ungünstigen“ Steuerklasse mehr Lohnsteuer abgezogen. Mit der Einkommensteuererklärung gleichen Sie letztlich zu viel oder zu wenig gezahlte Lohnsteuer wieder aus. Dies könnte bei Ihnen zu dem Ergebnis führen, dass Sie aufgrund einer für Sie günstigen Steuerklasse mit der Einkommensteuer die zu wenig geleistete Vorabsteuer in Form der Lohnsteuer nachzahlen müssen.
    Zudem sollten Sie darauf achten, dass Sie im Progressionsvorbehaltrechner Ihr „Zu versteuerndes Einkommen“ eingeben. Dies ist grob Ihr Brutto abzüglich aller persönlichen Freibeträge, Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen. Eventuell passt hierzu noch der Betrag, den Sie Ihrem letzten Steuerbescheid entnehmen können. Das heißt, im Progressionsvorbehaltrechner ist ggf. ein geringerer Betrag von Ihnen anzugeben, wodurch schließlich hier eine geringere Steuerlast entstehen würde.
    Ich hoffe, ich konnte Ihnen hiermit weiter helfen und verbleibe mit herzlichen Grüßen
  • Haben Sie auch eine Frage zum Thema Progressionsvorbehalt?

    Haben Sie fachliche Fragen, dann hilft Ihnen unsere fachliche Beratung gerne weiter.





Quellenangaben

Insbesondere die Informationen folgender Quellen haben wir für die Themenwelt "Progressionsvorbehalt" verwendet:

Letzte Aktualisierung am 16.06.2020

Die letzten Änderungen in der Themenwelt "Progressionsvorbehalt" wurden am 16.06.2020 umgesetzt durch Michael Mühl. Hauptsächlich wurde folgendes aktualisiert:

  • 16.06.2020: Veröffentlichung des Progressionsvorbehalt-Rechners
  • Erstellen der Texte für die dazugehörgen Seiten
  • Redaktionelle Überarbeitung aller Texte in dieser Themenwelt