Unterhalt für Kinder, Ehegatten und Eltern

Wem muss Unterhalt gezahlt werden? Wie hoch ist der Unterhalt? Was ist der Unterschied zwischen Trennungsunterhalt und nachehelichem Unterhalt? Welche Selbstbehalte gibt es? Antworten auf diese und viele weitere Fragen sowie zahlreiche Berechnungsbeispiele finden Sie hier in der Themenwelt "Unterhalt". Genaue Berechnungen können Sie gleich hier mit unserem Unterhaltsrechner durchführen.

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Die wichtigsten Fragen zum Thema Unterhalt

  • 01.

    Wann entsteht ein Unterhaltsanspruch?

    Sich in der Familie gegenseitig zu helfen und im Notfall füreinander einzustehen, ist heute leider nicht mehr selbstverständlich. In Deutschland sind daher im Bürgerlichen Gesetzbuch die wichtigsten Grundregeln des Zusammenlebens verankert. Im Paragraph 1601 heißt es: „Verwandte in gerader Linie sind verpflichtet, einander Unterhalt zu gewähren.“. Und gleich im nächsten wird geklärt, wer Anspruch auf Unterhalt hat: „Unterhaltsberechtigt ist nur, wer ausserstande ist, sich selbst zu unterhalten“ (BGB §1602).

  • 02.

    Wer hat Anspruch auf Unterhalt?

    Verwandte in gerader Linie sind alle Personen, die voneinander abstammen. Ein Unterhaltsanspruch besteht also zwischen Eltern und ihren Kindern. Auch ein nichteheliches Kind kann von seinem Vater Unterhalt verlangen. Durch eine Heirat werden auch Ehegatten nahe Verwandte, so dass der Ehegatte bei Bedürftigkeit Unterhalt verlangen kann. Das gilt sowohl während einer Trennungsphase als auch nach einer Scheidung.

  • 03.

    Worin unterscheiden sich Trennungs- und Scheidungsunterhalt?

    Wenn Ehepartner sich nicht mehr lieben, folgen Trennung und Scheidung. Der finanziell schlechter ausgestattete Partner hat Anspruch auf Ehegattenunterhalt. Dieser gliedert sich auf in Trennungsunterhalt und nachehelichen Unterhalt. Es ist allerdings zu beachten, dass der Kindesunterhalt immer Vorrang vor dem Trennungs- bzw. nachehelichen Unterhalt (Scheidungsunterhalt) hat.

    TrennungsunterhaltNachehelicher Unterhalt
    VoraussetzungBestand der EheScheidung ist vollzogen
    Unterhaltsberechtigt
    • Ehepartner mit geringerem bzw. keinem Verdienst
    • Pflicht zur Einkommenserzielung besteht nicht
    • Ehegatte, welcher Kinder unter drei Jahren oder mit Behinderung betreut
    • Aufstockungsunterhalt gleicht große Einkommensunterschiede aus
    Höhe3/7 des Nettoeinkommens bzw. 3/7 des Differenzeinkommens (wenn beide über Erwerbseinkommen verfügen); in Süddeutschland und im Saarland 45%3/7 des Nettoeinkommens bzw. 3/7 des Differenzeinkommens (wenn beide über Erwerbseinkommen verfügen); in Süddeutschland und im Saarland 45%
    Dauer des AnspruchsBis zur ScheidungVerdienstverbesserung des Anspruchsberechtigten, Pflicht zur Einkommenserzielung besteht

  • 04.

    Sind auch Kinder ihren Eltern unterhaltspflichtig?

    Unterhaltsforderungen zwischen Kindern und Eltern gibt es in beide Richtungen. Minderjährige und Jugendliche, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden, können finanzielle Unterstützung von ihren Eltern verlangen. Doch werden Vater oder Mutter pflegebedürftig und können die Kosten für ihre Versorgung nicht mehr aufbringen, müssen die Kinder für ihren Unterhalt sorgen. Übernimmt das Sozialamt Leistungen, wird es sich diese von den Kindern zurückzuholen.

  • 05.

    Wie lange muss Unterhalt an leibliche Kinder gezahlt werden?

    Für die Versorgung des eigenen Nachwuchses sind immer beide Elternteile verantwortlich. Kümmert sich nur ein Elternteil um das Kind, so wird mit freier Kost und Logis ein Naturalunterhalt geleistet. Gegenüber dem anderen Elternteil hat das Kind dann Anspruch auf Barunterhalt - egal, ob es in einer Ehe geboren wurde oder nicht. Fordern können Töchter oder Söhne die Zahlungen grundsätzlich so lange, bis sie finanziell auf eigenen Beinen stehen. Ab dem 18. Lebensjahr des Kindes sind beide Elternteile zum Barunterhalt verpflichtet. Der Anspruch endet in der Regel mit dem Abschluss einer ersten Berufsausbildung oder eines Studiums.

  • 06.

    Was sagt die Düsseldorfer Tabelle?

    Die „Düsseldorfer Tabelle“ ist eine Richtlinie für die Berechnung des Unterhalts in Deutschland und gilt für die Forderungen von Kindern ebenso wie die von Ehegatten. Verbindlich ist die Regelung nicht – im Einzelfall entscheiden Familiengerichte stets nach den tatsächlichen finanziellen Gegebenheiten.

    Düsseldorfer Tabelle 2017 (Bedarfssätze, Auszug)
    Einkommensgruppe bei
    unterhaltsrelevantem
    Nettoeinkommen
    Altersstufen in JahrenBedarfskon-
    trollbetrag
    0-56-1112-17ab 18
    10 bis 1.500 €342 €393 €460 €527 €
    21.501 bis 1.900 €360 €413 €483 €554 €1.180 €
    31.901 bis 2.300 €377 €433 €506 €580 €1.280 €
    42.301 bis 2.700 €394 €452 €529 €607 €1.380 €
    .....................

    Hier geht es zur kompletten Unterhaltstabelle 2017 einschließlich umfangreicher Erläuterungen und Kommentare.

  • 07.

    Wie wird die Unterhaltshöhe berechnet?

    Ausgangspunkt für die Berechnung des Unterhalts ist das bereinigte Nettoeinkommen des zur Zahlung verpflichteten Elternteils. Bei Arbeitnehmern wird dazu die Lohnabrechnung benötigt. Selbständige müssen ihre Einkommensteuererklärung vorlegen. Vom Nettoeinkommen wird eine Pauschale für den berufsbedingten Aufwand abgerechnet. Hier werden mindestens 50 Euro, höchstens jedoch 150 Euro angesetzt. Kindergeld zählt nicht als Einkommen!

    Hier ein Beispiel für die Berechnung:

    Nettoeinkommen 2.300 € + Sonstiges Einkommen 400 € − Berufsbedinger Aufwand 150 €
    = Bereinigtes Nettoeinkommen 2.550 €

    Der Unterhaltsbedarf laut Düsseldorfer Tabelle für ein minderjähriges Kind, 5 Jahre alt, würde 394 € betragen. Abzuziehen ist noch das hälftige Kindergeld in Höhe von 96 Euro, so dass ein Unterhalt von 298 Euro zu zahlen ist.

    Zu beachten ist, dass die Düsseldorfer Tabelle den Unterhaltsbedarf bei genau zwei Unterhaltsberechtigten darstellt. Bei mehr oder weniger Berechtigten ist der Unterhaltspflichtige zur Feststellung des Tabellenunterhalts in eine niedrigere/höhere Einkommensgruppe einzustufen. Im Beispiel gingen wir davon aus, dass neben der Tochter auch der Ehegatte unterhaltsberechtigt ist. Somit musste keine Korrektur der Einkommensgruppe erfolgen.

  • 08.

    Wie zählen Schulden oder Vermögen bei der Berechnung?

    Bei der Berechnung des relevanten Nettoeinkommens für die Unterhaltsverpflichtung werden Schulden nur dann berücksichtigt, wenn sie gemeinsam entstanden sind. Dazu würden bei einem Ehegattenunterhalt zum Beispiel die Zahlungen für ein gemeinsam aufgenommenes Darlehen zählen. Beim Kindesunterhalt werden die Schulden dann berücksichtigt, wenn sie für Konsumkredite in der gemeinsamen Zeit aufgenommen wurden. Wird jedoch damit Vermögen aufgebaut (wie etwa bei einem Immobilienkredit) bleiben sie außen vor.

  • 09.

    Welcher Eigenbedarf steht dem Unterhaltspflichtigen zu?

    Unterhalt muss nur derjenige zahlen, der auch leistungsfähig ist. Bei der Berechnung des Anspruchs wird daher ein Selbstbehalt berücksichtigt, mit dem der Zahlungspflichtige seinen eigenen Lebensunterhalt sichern kann. Die Höhe dieses Betrages richtet sich auch danach, wer die Unterhaltsforderung stellt:

    UnterhaltspflichtigerUnterhaltsberechtigteSelbstbehalt
    nicht erwerbstätignoch zu Hause lebende Kinder unter 21 Jahre880 Euro
    erwerbstätignoch zu Hause lebende Kinder unter 21 Jahre1.080 Euro
    erwerbstätigandere volljährige Kinder1.300 Euro
    erwerbstätigEhegatte1.200 Euro
    erwerbstätigEltern1.800 Euro

  • 10.

    Wird Unterhalt unter mehreren Anspruchsberechtigten aufgeteilt?

    Schwierig wird ist, das Einkommen eines Unterhaltszahlers nicht ausreicht, um alle Unterhaltsberechtigte zu befriedigen. Dann wird eine Rangfolge aufgestellt, nach der der Betrag oberhalb des Selbstbehalt aufgeteilt wird. Privilegiert sind grundsätzlich minderjährige Kinder. Ein Vater von zwölfjährigen Zwillingen muss nach der Düsseldorfer Tabelle zweimal 529 Euro bezahlen, wenn er ein bereinigtes Nettoeinkommen von 2.600 Euro erzielt (Kindergeld wird hier der Einfachheit halber nicht berücksichtigt). 2.600 − 1.058 = 1.542 Euro müssen für das eigene Leben reichen.

    Zusätzlich fordert jedoch seine erste Tochter, 20 Jahre alt und Studentin, Unterhalt. Sie ist gegenüber ihren beiden jüngeren Schwestern nachrrangig, d.h. erst nachdem diese den vollen Unterhalt erhalten, wird die Leistungsfähigkeit des Vaters ihr gegenüber geprüft. Ihr Vater kann hier einen Selbstbehalt von 1.300 Euro geltend machen. Zahlen muss er dann noch einen Unterhalt von 242 Euro. Esliegt ein Mangelfall vor.

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